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V. Die Universität zu Rom.
Würde damals mit der des Cardinal-Camerlengo verbunden war,einen unüberwindlich maßgebenden Einfluß übte, ist schwer zu be-urtheilen. Es war Ludovico Scarampo, -der freilich nur als ersterFeldherr der Kirche und als Cardinal Lucullus einen Namen er-worben. Aber er war doch auch schon unter Eugen Kanzler desStudio gewesen. Daß der humanistische Papst für dasselbe keinHerz hatte, ist schwerlich zu leugnen. Wir hören nichts von irgendeiner Größe aus den Gebieten der Theologie oder des kanonischenRechtes, die damals in Rom gewirkt hätte, und diese Fächer warendoch die eigentliche Bestimmung des römischen Studiums'). Selbstdie Männer, die er als gelehrte Griechen oder Latinisiert nach Romzog, schien er der Hochschule nicht zu gönnen. Er hatte es nichtgern, wenn sie ihre Zeit auch anderen Dingen zuwandten als denUebersetzungen, Textesrecensionen und grammatischen Hülfsarbeitenfür seine Bibliothek.
Demgemäß wird uns auch von der Thätigkeit der Humanistenam Studio wenig berichtet. Ob Rinucci sich noch jemals mitSchülern und mit der griechischen Grammatik befaßt, seit Nicolausihn zum Sekretär ernannt, wissen wir nicht. Eine Bedeutung hatteer nie gehabt. Dagegen hatte Trapezuntios in Dialektik undRhetorik nicht geringen Beifall gefunden, vielleicht auch einmal Scho-laren vor sich gehabt, die nach der griechischen Sprache dürsteten.Dem Papste scheint es ganz recht gewesen zu sein, wenn er bei Valla'sAuftreten das Katheder räumte und sich ganz den Uebersetzungenwidmete. Eloquenz und schöne Wissenschaften lehrte auch seit Eugen'sZeiten Pier Oddone da Montopoli, vin Dichter und Redner,von dem wir nur wenige Verse kennen und zu dessen Ruhm erstgesagt werden muß, daß Pomponio Leto sein Schüler war^). Dazusoll der Papst den Enoche von Ascoli gleich nach seiner Stuhl-besteigung berufen haben, um gleichfalls Rhetorik und Poesie zulehren. Da er an Ruhm etwa Pier Oddone gleichstand, wurdeer ohne Zweifel als Jugendbekannter des Papstes mit einer Pro-fessur versorgt und konnte ohne Schaden der Hochschule aus seine
0 k 8 uar?. i 8toria äek' ruüvsrsitä äsZIi 8tuch äi Koma vol. I p. 160.166. 277.
0 ^ut. 6oeeirr8 LabsIIieus knns-rü. X lid. VI p. 719. ksnsrri I. o.p. 162. Einige Verse, mit denen er Biondo's Koma instmirata begrüßt, im 6oü.m8. k. 66 der kön. öff. Bibl. zu Dresden toi. 62.