V. Die Universität zu Rom.
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langen Reisen gehen'). Auch als der Papst den Theodoros Gaza1450 mit einem Jahressolde an seine Hochschule berief und ihm dasKatheder der Philosophie anwies, war das nicht eine Fürsorge fürdas Studio, sondern für den Gelehrten. Wir hören daher auch nurvon den Uebersetzungen Gaza's, nicht aber von einer Lehrthätigkeit,die er unter Nicolaus entwickelt hätte.
Daß Valla sich der Hochschule zuwandte, geschah wahrlich nichtnach des Papstes Wunsch, ja so geheim wie möglich, da Valla wohlwußte, der Papst sehe solche Nebenbeschäftigungen seiner Uebersetzernicht gern st. Er scheint dann eine Reihe von Jahren hindurchregelmäßig und mit großem Eifer gelehrt zu haben. Er wollte sichauch nicht schämen, wenn Poggio ihm vorwarf, daß er armseligeSchulmeisterei treibe; er wies freudig auf die gefeierten Lehrer seinerZeit, aus Guarino, Vittorino, Filelso. Er durfte sich rühmen, daßseine Lectionen auch von älteren Männern und solchen, die schonselbst für Gelehrte gelten konnten, besucht wurden st. Wir glaubengern, daß von Valla's Persönlichkeit eine anregende Kraft ausging,wie ja auch seine Schriften stärker auf die Nachwelt eingewirkt haben,als'die irgend eines anderen der damaligen Humanisten. Dazusein hochmüthiges Selbstbewußtsein, seine kecke und pikante Polemik,der wegwerfende Ton, mit dem er von anderen Gelehrten zu sprechenliebte — Eigenschaften, die bekanntlich von der gläubigen Jugendgern mit Verehrung aufgenommen werden. Er imponirte durch dieKraft seiner paradoxen Behauptungen, die ihm zugleich Gelegenheitgaben, seinen Scharfsinn in ihrer Vertheidigung zu zeigen und dabeinach rechts und links seine Hiebe auszutheilen. Las er über Vir-gilius, so war es seine Freude, ihm täglich seine Gedankenlosigkeitund den Mangel an Feile vorzurücken; behandelte er die an He-rennius gerichtete Rhetorik, so wies er Cicero seine Abweichungenvon den wahren Regeln der Redekunst nächst. In einer Rede, dieer im October 1455 bei Eröffnung der Vorlesungen hielt, feierte erin großem Stil die lateinische Sprache als die Vermittlerin 'derWissenschaften. Aber in ebenso großer Anmaßung erklärte er zugleich
p ksnarrt I. o. p. 161.
2) S. oben S. 92. Er sagt im ^nticl. IV vom Papste: gnsm sotrem nonItbentsr anättnrnw — me altert rei guam Interpretation! vaears.
5 Lnticlot. in postum lib. II >>. 286.
0 koxxius epist. XI, 29 eä. DonsIIi.
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