V. Humanismus und Kirche.
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Bücher, Hofgelehrte, Dichter, Alterthümer und Pretiosen verwendeteals aus die Kirche oder den Türkenkrieg, daß er sich lieber mit un-ruhigen Literaten von anrüchigem Lebenswandel umgab als mitMönchen und frommen Dienern der Religion, daß die Streitschriften,Satiren und Scandale der Literaten ihn besser unterhielten als dog-matische Erörterungen und Predigt. Die klerikalen und latein-spre-chenden Kreise Roms wurden nach und nach in den neuen Kultusdes Heidenthums mitgezogen. Zur Zeit Paulus' II war man soweit, daß ein humanistischer Cardinal, der für die Erziehung einesJünglings zu sorgen hatte, in Rom keinen geeigneten Lehrer fand,weil die Grammatiker der Stadt mehr als Heiden wie als Christenerschienen'). Die Epoche des Uebergewichtes, des Sieges aber warder Pontificat Nicolaus' V gewesen.
Keiner der Humanisten hat sich offen und principiell gegenChristenthum oder Kirche zu erklären gewagt. Auch vor dogmatischenAbweichungen schützte sie ihre Gleichgültigkeit gegen alle Kirchenlehreund Theologie. Selbst Valla stellte seine verketzerten Behauptungenmehr nur aus, um seine pfäffischen Feinde zu ärgern, nicht um ihrerselbst willen. Auch waren diese literarischen Helden viel zu sehr Höf-linge, um gegen die conventionellen Formen der Kirche Stellung zunehmen. Aber trotzdem war der Kreis ihrer Gedanken und Idealeein gründlich anderer als der kirchliche und christliche. Im Stillenund in ihrem Verkehr mit einander wucherte das heidnische Wesen,und im besten Fall ersetzte eine stoische Ethik die Gebote der Reli-gion. Die wenigen, die im reiferen Alter kirchenfromm wurden —wir wüßten aus den Kreisen, die wir vorgeführt, eigentlich nurCorraro und Vegio zu nennen — hörten eben aus, Humanisten zusein, mochte Vegio auch nach wie vor Verse schmieden. Im ganzenwar der Humanismus doch zweifellos ein geborener Feind der Kirche,der ihre Grundlagen unterhöhlte, den Papstthum und Prälatur alseine gefährliche Schlange am Busen hegten.
Im natürlichen und schneidenden Gegensatz standen die Huma-nisten gegen die Mönche und das Mönchthnm. Sie selbst lebtenarbeitsam und mit dem Stolze der Selbständigkeit, desto mehr warenihnen die faulen Klosterbrüder widerwärtig, die ihre knechtische Demuth
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