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V. Humanismus und Mönchthum.
recht zur Schau trugen und doch den Dünkel, den der Humanist lieberder Welt ins Gesicht zeigte, im tiefsten Herzen hegten. Die Mönchewaren Jahrhunderte hindurch die Träger der Gelehrsamkeit gewesen,das klassische Alterthum aber war ihnen eine völlig fremde Region;sie buhlten um die Gunst der Reichen und der Höfe, aber nicht mitdem Talente, sondern mit dem Verdienste ihres Glaubens und ihrerRegel; sie galten unter dem Volk als die großen Redner, aber ihreBeredsamkeit war keine Kunst, sondern eine gauklerische Fertigkeit.Sie geberdeten sich immer noch als das Salz der Erde, als dieWächter über Glauben und Sitte, und doch hatten selbst Männerihres Standes schon oft genug das Wehe über sie gerufen. EinOrden zankte mit dem andern, fast in allen gab es Spaltungenund Scandal. Ihre Laster zu brandmarken war kein verbotenesDing und konnte auf den stillen Beifall rechnen. Die Mönchewaren ja mcht die Kirche, so wenig als die Vulgata die Religionwar, beide waren aber die zuerst dem Angriffe preisgegebenenAußenwerke.
Ob der Vortheil auf Seite der Angreifer oder der Angegriffenenwar, dürfen wir nicht erst fragen. Die Frivolität ist vor aller Welt,was sie ist, ein Laster in reizender Hülle; frommes Thun aber, istes vom Verdachte der Heuchelei auch nur angehaucht, unterliegt sofortder tiefsten Verachtung. Die natürlichen Gegner, mußten sich baldfinden. Zwar Petrarca ist dieser Fehde noch fremd geblieben. Mitden vornehmeren Orden hielt er dieselbe Freundschaft wie mit denPrälaten. Die Bettelorden, den niedersten Stand der Kirche, wür-digte er vom Throne seines Philosophenruhmes derselben Verachtungwie das „gemeine Volk" sonst. Aber da sie ihn und die Poesie nichtangriffen, ja dem Verfasser des Buches „vorn einsamen Leben" selbstihre Verehrung entgegentrugen, gönnte er ihnen die Popularität inden Schichten der Gesellschaft, zu denen sein Genius sich nicht herab-ließ. Aber die Novellisten, ein Boccaccio, Sacchetti und Ser Gio-vanni machten gar gern Mönche und Nonnen zu den Helden obscönerGeschichten und am Ende des 15. Jahrhunderts erklärte Massuccioda Salerno 'in der Einleitung zu seinem Novellino gerade heraus,die Tendenz seiner Novellen sei, „das wüste Leben der heuchlerischenMönche" darzustellen. Boccaccio hat aber auch in seinen theore-tischen Schriften die Bahn eröffnet. Zunächst hatten ihn die Mönchegereizt, weil sie von der Poesie als von Possenzeug und von den