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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Humanismus und Mnchthum.

als sein ältester Sohn, den er für seine Wissenschaft ausgebildet, inden Orden der Prädicanten von der Observanz trat'). Aber erselbst, als er 1443 im Minoritenkloster S. Croce sein Testamentmachte, wollte hier einst begraben sein und im Jahre nach seinemTode sollten hundert Messen für ihn gelesen werden. Er stiftete eineKapelle, in welcher die Messen für seine Seele statthaben sollten;geschähe das nicht, so sollten die Güter dieser Capelle an die con-ventualen Franciscaner von Ganghereto fallen und diese dafür fünf-mal in der Woche die Seelmesse lesen. Und diese Bestimmungentraf er zur Zeit Papst Eugen's und während des Kampfes gegendie observanten Heuchlers.

Endlich gedenken wir hier noch einmal Valla's und seinerheftigen Angriffe gegen die Verdienstlichkeit des mönchischen Lebensund gegen den Cölibat im Dialoge über die Profession der Reli-giösen, sowie seines Handels mit Fra Antonio da Bitonto, auch einemVolksprediger von den observanten Franciscanern. In beiden Fällengriff er an, auch ohne persönlich herausgefordert zu sein, etwa wieder alte Guarino vom Fastenprediger Giovanni da Prato, dergegen -seine Lehrtätigkeit und die heidnischen Dichter geeifert st.Wer wollte dieser Reihe von muthigcn, selbst muthwilligen Fehdenihre tiefe Wirkung und Bedeutung absprechen! Und doch hat dieOrdensmacht keinen zu überwinden oder zum Widerrufe zu nöthigenvermocht; sie alle, Bruni und Filelfo, Poggio, Valla und Guarinoblieben in Stellung und Ansehen unbehelligt, gingen also aus demKampfe als Sieger hervor.

Indeß die Kirche ist keinem Angriff erlegen, der ihr von außengekommen wäre. Aber das Mönchthum selbst, ja das Bettelmönch-thum ist von der neuen Richtung nicht unberührt geblieben, und sichmit ihr befreunden hieß ihr unterliegen. Schon zu Salutato's Zeitweiß Filippo Villani aus der Stille der Klöster Seltsames zu be-richten. In den Orden, sagt er, giebt es wohl lobenswertste Geister,die . neben ihren heiligen Studien auch durch weltliche Töne gelocktwerden, aber sie wagen dieselben nur im Stillen zu genießen undmeiden das öffentliche Aufsehen, um nicht in den Verdacht weltlicher

') ? 0 AAiu 8 Spi8t. XIII, 39. XIV, 5, ronslli.

2) Das Testament vom 19. October 1443 im kiornslo 8torieo äsxli Li-okiviVoseaui vol. II p. 1.

') S. Bd. I S. 474ff. 558.