V. Humanistische Mönche.
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Ruhmesliebe zu fallen Diese anfängliche Scheu wurde bald über-wunden. In Florenz gingen die Dominicaner von S. Maria No-vell« und die Franciscaner von S. Croce voran. Wir erinnern ferneran Traverfari, den Camaldulensergeneral, der mit dem heidnischenMarsuppini und mit dem frivolen Poggro im freiesten Umgängestand, der um die tullianische Eloquenz buhlte und um seinen Ruhmschrieb, ganz wie die andern Literaten. Das Beispiel des Generalstrug seine Früchte, das zeigt schon die Geschichte des Hauses degliAngioli, dem er angehört. Paolo Orlandini, ein Bruder aus dem-selben, bejahte nicht nur die Frage, ob es einem Mönch anstehe, sichmit der heidnischen Literatur zu beschäftigen, er'führte sogar alsersten Grund dafür an, daß durch die Bücher der Heiden eine glän-zendere und reichere Rednergabe gewonnen werdet- Und Guido, derPrior des Hauses, erklärte diese Studien für die würdigste Füllungder klösterlichen Muße'). Solche Ansichten brachen sich immer mehrBahn und wurden selbst von hervorragenden Ordensgliedern in Schutzgenommen. So schrieb Timoteo Masfei von Verona, ein SchülerGuarino's, Regularkanoniker der lateranensischen Kongregation unddreimal General seines Ordens, der nachmalige Erzbischos von Ra»gusa, einen Dialog gegen diejenigen, die für Ordenslente nur die„heilige Unwissenheit" geziemend und die humanen Wissenschaftenfür das Verderben der Frömmigkeit hielten. Und dieses Buch wid-mete er Nicolaus V').
Wo nun das Streben nach mönchischer Heiligkeit und Geltungmit dem Streben nach literarischem Ruhm aus dem Gebiete derschönen Wissenschaften zusammentrifft, entstehen nothwendig zwiespäl-tige Gestalten, die sich vergeblich abmühen, ihre beiden Seelen inHarmonie mit einander zu bringen nutz vor der Welt oder auch vorsich selbst in Schwanken und Heuchelei gerathen. Schon bei Traver-sari bemerkten wir diesen Widerstreit; ihm hals seine Kenntniß dergriechischen Sprache, seine Fähigkeit, griechische Kirchenväter der la-
') Aus seiner vpist. aä anon^mum bei Nebn 8 Vita Vmkros. Iravers. p. 333.2) Aus seinem Ilsptatbicns ibiä. p. 394.b) ibiä.
i) Xauelli II pontsüce Mcolo V p. 68 sah das Buch im coä. Vatic. 5076.Ueber seine Schutzschrift für Cosimo Medici s. Bd. I S. 296. Seine Lpistoia ex-boi-tatoria aä Italiae Principes äe belln lurcis inlersnäo, ä. Kononias 1454,noiirt Lnälieker 6atai. p. 4.