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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Alberto da Sarteano.

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sein Leben unstät zwischen den Polen des Mönchthmns und der Hu-manitätsstudien, ohne jenem zu nützen oder diese zu sördern.

Die Bettelmönche hätten vor andern den Prunk der klassischenWissenschaft wie jeden sonstigen Pomp der Welt energisch von sichweisen müssen. Und doch wurden auch ihrer nicht wenige in dieschöngeistige Sphäre gelockt. Sogar vom heiligen Bernardino wirderzählt, daß er die Redekunst nach dem Muster der Alten studirt.Bestimmt wissen wir das von einem seiner hervorragendsten Jüngerund Nachfolger, einem gefeierten Haupte der Minoriten von der re-gulären Observanz, dem Volksredner Bruder Alberto von Sar-teano h. Die jüngeren Jahre dieses Mönches, von dessen heiligenVerdiensten die Acten seches Ordens gar viel zu erzählen wissen undden der römische Stuhl, wenn auch nicht heilig wie Bernardino, sodoch selig gesprochen, sind in Dunkel gehüllt wie bei den meisten Ge-stalten der Art. Nur sehen wir, daß er längere Zeit in Florenz ge-weilt und hier mit Poggio, Niccoli, Traversari und Bruni in einfreundschaftliches Verhältniß getreten war. Es ist also nicht zweifel-haft, woher seine frühe Neigung zu den schönen Wissenschaften stammte.Auch dem Orden muß er damals bereits zugehört haben. Dann aberging er,, immer noch ein junger Mann ft, im September 1422 mitfeuriger Lernbegier zu Guarino, der damals in seiner Heimath zuVerona Schule hielt. Sein Ziel, sich der griechischen Sprache zubemächtigen und zugleich seiner lateinischen Eloquenz die letzte Feilezu geben, erreichte er in zehn Monaten, .soweit er es überhaupt jeerreicht. Der Sorgsamkeit des Lehrers entsprach die Unermüdlichkeitdes Jünglings, so daß Guarino ihn bald lieber einen Freund als

') Lsati 4.1bsrri a Lartkiano Opera omnia iilustrata a k. Ilarolcko,Komas 1688. Hier werden 3 Reden und 125 Briefe mitgetheilt, denen der Heraus-geber eine Vita des seligen Alberto vorausschickt. Die Edition der Briefe beiLlartsns st Durarrä Vstt. Leriptt. swpl. Oollsot. D. III p. 755 ssg. kann da-neben unbeachtet bleiben.

2) Es ist ohne Zweifel ein Irrthum oder eine Verwechselung, wenn Waddingund dessen Nachtreter ihn schon 1415 und in seinem 30. Lebensjahre zu den Ob-servanten übergehen, also 1385 geboren sein lassen. Er sagt selbst opist. 25. 33.87, daß er in ackoloseontia und puor pons bei Guarino gelernt. Dies schon aufGuarino's frühere Schule zu Florenz zu beziehen und so einen doppelten CursusAlberto's bei Guarino anzunehmen, ist reine Willkür. . Auch Traversari (Ambras.Dravors. opist. VIII,. 1) nennt ihn 1423 einen verseunäus aäolssosns, was dochniemand voy einem 38 jährigen Manne sagt, zumal wenn er selbst um ein Jahrjünger ist.