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V. Alberto da Sarteano.
einen Schüler nennen wollte. Trotz seinem Ordensgewande verkehrteer mit den Genossen der griechischen Lection in heiterer Weise, bliebauch mit den Gönnern in Florenz, zumal mit Niccoli, in brieflicherVerbindung. In Verona, wohl auf einem Provinzialcapitel seinesOrdens, hielt er auch seine erste öffentliche Rede über das Sacra-ment des Mahles'). Ein rechter Guarino-Schüler, bewegte er sichim Eingänge in den beliebten Bescheidenheitswendungen, wie erseinem geringen Geiste, seiner Gelehrsamkeit und Eloquenz miß-traue n. s. w. Er brachte auch einiges von seinem neuerworbenenGriechisch an. Guarino war entzückt, wie immer über die Leistungenseiner Schüler. Traversari aber, dem der junge Mönch sein Productüberreichte, um sein offenes Urtheil darüber zu hören oder vielmehrihm dqs Lob aus dem Munde zu locken, erkannte zwar das guteStreben und eine gewisse rednerische Gabe an, vermißte aber dasGewicht des Inhalts und die Leichtigkeit des Ausdrucks. In derThat behielt Bruder Alberto's Diction, so sehr sie den Wunsch ver-räth, die Feile Guaritto's und die klare Leichtigkeit Poggio's nach-zuahmen, immer etwas von der Dunkelheit und Schwere des Mönchs-latein. Nur unter seinen Standesgenossen durfte er als Führer einergewandten Feder gelten. Von dem Griechisch, das er erlernt, hater später nie oder nur ganz beiläufig Gebrauch gemacht.
Mit den Tagen von Florenz und Verona schloß aber die hu-manistische Bildung unseres Minoriten auch ab. Als im Juli 1423Bruder Bernardino, der Tagesheilige der Kongregation, zu Trevisoseine Bußreden hielt, eilte Alberto zu ihm, um unter seiner Leitungdie Volkspredigt mit den zugehörigen Künsten und Wundern zulernen und dann selbständig gleich diesem Vorbild einherzuziehen').Seitdem war sein Leben ganz den Agitationen seines Ordens undder Observanz gewidmet. Er war rührig und thätig in den Kapitelnund bei den Wahlen, bei der Gründung neuer Häuser und bei demKämpfe mit den Conventualen, im Hofiren bei Päpsten, Cardinälenund Bischöfen, wenn es galt, ihre Unterstützung und neue Gnadenzu gewinnen. Auch ins Morgenland ging er, nach Jerusalem undzum Priester Johannes in Sachen der in Aussicht genommenen
') vs sanctissirno tznekaiistiao saerainsuto, von 1422 datirt. Daß sie zuVerona gehalten worden, sagt Traversari I.«. ausdrücklich. Ueber den AufenthaltAlberto's in Verona s. seine oxistt. 2. 6. 8.
2 ) xpjzt. 9 an Guarino.