V. Calixtus lll und die Humanisten.
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Tullius". Und doch schüttet er selbst seine klassische Weisheit mitvollen Schalen aus, wenn auch mit christlichen Redeblumen vermischt.Poggio gönnte der Feder des mönchischen Freundes ihr Spiel undnahm dessen Angriffe mit Humor aus. Nach Jahren finden wir diebeiden wieder im freundschaftlichen Briefwechsel, als sei nichts vor-gefallen ').
Nur einen flüchtigen Blick werfen wir von der Epoche Niko-laus' V aus auf die nächstfolgenden Jahrzehnte, und nur aus dasPapstthum und Rom beschränken wir diesen Blick. Was jener Papstden Gelehrten und Büchermachern gewesen, blieb noch lange im An-denken, ja er wurde selbst über sein Verdienst als das Ideal eineshochherzigen und gütigen Mäcenas gefeiert^. Nie bisher hatten ander Curie Gelehrte, die nicht Kanonisten oder Theologen waren, soviel gegolten, nie waren sie so leicht und in solcher Zahl zu Amtund Würden emporgestiegen. Zunächst konnte ein Rückschlag nichtausbleiben. Nicolaus' Nachfolger, der alte Calixtus III, auf dendie Wahl eben wegen feiner Altersschwäche gefallen war, hatte nureinen Gedanken, der ihn in Eifer zu bringen vermochte, den Türken-krieg; im übrigen ließ er seine Nepoten, das Geschlecht der Borja,walten. Wer ihn rühmen wollte, bezeichnete ihn als Kanonisten. Fürdie schönen Wissenschaften hatte er nie eine Anwandlung gezeigt.Wir wissen, wie er die Büchersammlung seines Vorgängers belächelteund mit den griechischen Codices verfuhr. In seiner Studirkammer.fanden sich, als er starb, Bibeln und einige theologische und kirchen-rechtliche Bücher vor"). Aus der Sekretarie waren die Humanisten,die zumal Nicolaus in großer Zahl hineingeschoben, nicht sogleich zuvertreiben. Aber sie wurden nicht mehr bevorzugt; die „Catelanen",das Gefolge der Borja, wußten sich nun einzudrängen. Dem Papst
') Poggio an Traversari vorn 15. März (1430) unter Ambras, Travor8.epist. XXIV, 8: illbortrw — — 8nti8 aeritsr ms rsprellsnciit, 8eä bonc» nnimo.Am Schluß: Vale st örn pro koAgio tuo, Iroe e8t, nt trat bonu8. ^Ibvrtn8 nLartdiano epwt. 89 an Poggio vom 30. März 1443.
2) So stellt ihn z. B. der Bischof von Aleria selbst Sixtus IV. als Borbild auf.Er ruft diesem 1471 in der Vorrede zur ersten Ausgabe des Nicolaus de Lyra beiLotkielä krsks.oe8 p. 48 zu: Vonoraro äoetos Iromins8, otsrnitntw VL8a! —Vsnernrs Iibro8, immortntitnti8 irrstrumonta! Das war in der That Papst Nico-laus' Programm gewesen.
'y Das Inventar bei Lliintr Iws nrt8 ä la eour <Ies pape8 lo kartis p. 213.