236 V. Pius II und die Humanisten.
irgend eine literarische Arbeit darzubringen, wurde zwar anfangsversucht, aber bald als ein gänzlich undankbares Bemühen ausgegeben.Die Literaten sahen daher auf den schwachsinnigen Alten mit ver-ächtlichem Hohn. Sie brachten die Erzählung in Umlauf, CardinalCapranica habe gleich bei seiner Erhebung gesagt: Wie närrisch habenNarren einen Narren gewählt')! AIs Filelfo hörte, daß der Papst„zur höchsten Freude aller" endlich gestorben, sprach er den Wunschaus, es möchte mit der Schlafseligkeit dieses „Menschen" die Zeitdes Schlafes der Wissenschaften überhaupt aufhören^).
Den neuen Papst, Pius II, jenen Aeneas Sylvius, der selbstals Redner und Geschichtschreiber einen hohen Namen erworben, ftengekrönten Dichter begrüßte derselbe Filelso mit Jubel als die Sonne,die den finstern Nebel durchbrochen. Von ihm erwartete man mehrnoch wie einst von Nicolaus V, daß er einen stattlichen Musenhosum sich sammeln, mit Pensionen und Geschenken, Aemtern und Würdendie Gelehrten und Dichter beglücken werde. Aber diejenigen, dieaus einem solchen Kreise zu hoher Würde emporgestiegen, sind durch-aus nicht immer die Gönner ihrer früheren Berussgenossen. Pinshatte wohl ein seines Gefühl für Literatur und Kunst. Auch er ließgriechische und lateinische Handschriften aussuchen oder copiren; seinHof wurde von neuem der Sammelplatz der berühmtesten Architekten,Bildhauer, Maler, Goldschmiede und Miniatorenft. Aber für gram-matische Gelehrsamkeit oder für die griechische Literatur hatte Pius. wenig Sinn. Poggio, Valla und die ältere Generation, der er seineBildung verdankte, starben schnell dahin. Filelso, der einst seinLehrer gewesen, entfremdete sich ihm durch seine unverschämte Zu-dringlichkeit. Die Dichter vollends fanden bei dem Papste, der selbereinst so viel gedichtet, wenig Gnade, ja sie stießen in ihrer Specu-lation aus goldenen Lohn nicht selten auf seinen Spott. Sein großesWort, Redner und Dichter müßten schon außerordentlich sein, sonst
>) 1 o. .lo v. ? outÄIIu 8 äs waAuiüesutia (Opp. lib. I kol. 130).
'0 Sein Brief an Befsarion vom 13. August 1458.
3) Nach den Rechnungen des 'Schatzes Llüutr s. 0. p. 224. I-. vuekssiis,I)s coäieibus ui.8L. grassis kii II in Libliotdsea Tlex-uiäriiio -VatieaiiL (Siblio-tdögus äss sools8 kraus, ä'Xtdsuss st äs koius Hass. XIII) karis 1880 zählt55 griechische Handschriften auf, die das Zeichen Pius' II tragen sollen, meist kirch-liche Autoren, aber auch Demosthenes und andere Klassiker. Aber wie könnendarunter Codices sein, die lange nach Pius' II Tode, ja im 16. Jahrhundert ge-schrieben sind?