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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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VI. Poggio in England.

ernannte ihn Papst Martin V zum Cardinal. Als Freund des apo-stolischen Stuhles von Rom hatte er immer gegolten. Dieser hoheHerr nnhm an dem Treiben der päpstlichen Sekretäre, die in derUmgebung von Constanz nach alten Codices stöberten, einigen Antheilund hörte sich gern einen Freund der schönen Wissenschaften nennen.Er vermochte Poggio, ihm nach dem Ausgange des Concils nachEngland zu folgen. ,

Wir sehen nicht recht klar, was Poggio zu einer solchen Ueber-siedelung bewog. Er war der Stürme überdrüssig, welche das Schismaseit so vielen Jahren über die Curie herausgeführt, da sie auch den-Glücksnachen jedes einzelnen Curialen hin und her schaukelten, jaleicht zum Scheitern brachten. An sich waren Geschäft und Schreiber-dienst nie nach seinem Geschmack gewesen. Vielleicht fand er auchbei Martin V, dem zu Constanz erhobenen Papste, nicht das Ent-gegenkommen, das er erwartet. Er sagt, er habe die Curie deshalbverlassen, um sich durch eine kurze Zeit der Arbeit und KnechtschaftRuhe und Freiheit für die Zukunft zu verschaffen. Aber er tratdoch nicht in einen Dienst, der ihn zu bestimmter Arbeit verpflichtete.Er folgte den allgemeinen Versprechungen des Cardinais, in Eng-land sein Glück zu begründen. Und darin sah er sich getäuscht.Während sein Herr in den Geschäften des Staates und in eigenenfast immer unterwegs war, wurde zwar dafür gesorgt, daß Poggioin London wenigstens den Unterhalt und Kleidung nicht entbehrteund in Muße seinen Studien leben konnte, aber für die Zukunfteines solchen Hoslebens blieb es geraume Zeit bei dem Versprechen,er solle gelegentlich mit einer vacanten Pfründe bedacht werden. Ermeinte zwar, nach dem Spruche xatria ost ubi houo s8t auch inEngland sein Domicil für's Leben aufschlagen und selbst bei denSarmaten und Skythen sich glücklich fühlen zu können, aber dieSehnsucht nach der Heimath, zumal nach Florenz faßte ihn doch als-bald. Er wollte die Muße benutzen, um sich der griechischen Sprachegründlich zu bemächtigen. Doch allein wurde er mit dem griechischenAristoteles nicht fertig, und niemand war da, der auch nur Antheilan solchen Studien nahm. Niccoli drängte ihn unablässig, dieBücherjagden auf dem englischen Boden fortzusetzen. Poggio abermachte sich von vorn herein geringe Hoffnung aus Funde, da dieVerzeichnisse einiger Klöster, die er sich verschaffte, nichts ergaben,und da sich auch in ein paar alten Klöstern, die er im Gefolge seines