1. Erziehung und Äugendbildung des Kronprinzen Friedrich.
Horaz.
Als Friedrich der Große schon dreißig Jahre regirt hatte,sprach er den Wunsch aus, daß alle Vater bis zum sechsund-zwanzigsten Jahre für ihre Söhne hasten möchten. Und dennochhatte er durch die Schuld seines Vaters vermittelst seiner Er-ziehung' jene Harmonie einer classischen Bildung nicht erreicht,zu welcher ihn die Sehnsucht hinzog und welche alle Menschengern besitzen möchten, die überhaupt zum Selbstbewußtsein ge-langt sind. Ohne eine harmonische Erziehung ist sie überhauptkaum erreichbar. Der Sohn, der in glücklicher Gemeinschaft derGeister mit dem braven Vater selbst bis zum Manne heranwachst,wird einer harmonischen Bildung anderer Art sogar in der be-schränkten Sphäre des Volkes nicht entbehren. Goethe läßt einmalin einer schönen Stelle den Wilhelm Meister seinen Sohn Felixseinen Bruder nennen. Er war freilich in der Erziehung ge-rade nicht glücklich und hat auch das fürchterliche Wort gesagt:„Kinder halten nicht, was sie versprechen." Allein in jener erstenAeußerung Goethe's liegt doch etwas Wahres. Es ist schadeum die Menschheit, wenn sich die Gegensätze schon in der Er-ziehung ganz abarbeiten und wenn zwei Menschenalter in derSchulstube mit einander Krieg führen. Bloße Prinzipienreiter