4
und selbst im bessern Sinne des Wortes charaktervolle Betterhaben nur selten das Glück, sich schon früh mit ihren Söhneneins fühlen zu können. In der Natur der Sache liegt es, daßdie Jugend, durch welche das allgemein Menschliche immervon neuem zu seinem Rechte gelangen muß, über jede förmlicheUnterdrückung desselben empört ist, wenn sie auch jede vernünftigeBermittelung mit dem historisch Gewordenen annehmen soll. DerConflict in der Erziehung mag immerhin die Charaktere schärfen,aber schon allein vor diesem Conflicte entflieht die harmonischeMenschcnbildung uuwiderbringlich.
In keiner Erziehung ist der Conflict wohl schwerer zu ver-meiden als in der Erziehung der Fürsten, weil der junge Prinzschon durch seine Geburt eine Macht ist, welche der Knabe ansich sonst keineswegs besitzt. Rousseau soll sogar, als ein Prinzen-erzieher von einem kleinen deutschen Hofe sich durch List bei ihmZutritt verschafft hatte, alle Prinzenerziehung für unmöglich er-klärt haben. So schlimm wird es nun freilich wohl nicht sein.
Friedrich der Große hat in seiner tiefen Humanität seinganzes Leben lang den meisten seiner zum Theil recht schwachenLehrer zu schmeicheln verstanden. Nicht einmal gegen die Theo-logen, die ihn auf Befehl des Baters mit Bibelsprüchen quälten,war er eigentlich widersetzlich. Nur wenn der Kammerdienerseines Baters bei der Hausandacht die geistlichen Lieder anstimmenmußte, geriet!) er zuweilen mit seiner Schwester Wilhelmine insLachen. Wie er denn aber auch sonst sehr frühreif war, so ist erallerdings sick jener durch die königliche Geburt ihm angeborenenMacht seinem Vater gegenüber viel früher bewußt gewesen alsihm später selbst lieb war.
Zur Erklärung des unerhörten Zerwürfnisses zwischenFriedlich Wilhelm I. und Friedrich 41. muß aber selbst jeneswichtige geistige Gesetz ins Auge gefaßt werden, wonach die preu-ßische Geschichte sich meist in Gegensätzen zwischen Vorgängerund Nachfolger entwickelt hat. Es ist die alte preußische, diedeutsche Zucht selbst, welche hier in der Gestalt des im vollen