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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Wilhelms I. einen wunderlichen Eindruck. Den französischenColonisten dankte man es, daß die Gärten um Berlin mehr undmehr aufblühten. Man glaubte von ihnen erst eine feinereMischung des Düngers mit dem märkischen Sande gelernt zuhaben, ein Gegenstand, der den großen König selbst bis ans Endeseiner Tage beschäftigt hat und durch den er sein Reich den ammeisten begünstigten Ländern der Erde, wenigstens seinem Frank-reich, etwas ähnlicher zu machen hoffte.

Denn Frankreich war das Land seiner Sehnsucht. Frank-reich war ja kein bloßes Treibhaus wie die Mark. Während seinVater zu Potsdam für jede Schüssel Hopfensalat Gott dankte,die er zu essen bekam, so reifte in Frankreich dem heiteren Bauerndie Traube in Fülle an sanften Höhen. Griechenland und Italienblieben Friedrich mit den Schätzen ihrer alten Literatur fast ganzverschlossen. Später sah er zwar ein, daß selbst für die schönenWissenschaften die Franzosen das Höchste nicht erreichen könnten.Aber über den dunkeln Höhen Frankreichs erschien ihm dessenromanische Literatur wie ein sanfter Mondenabglanz von derSonne römischer und griechischer Classicität. Und hatten sichnicht im schönen Frankreich durch das gewissermaßen Friedrichzum Ideale der Regierung dienende Zeitalter Ludwigs XIV. diegesangreichen Tage des Augustus wiederholt? Durch die fran-zösische Literatur wurde Friedrichs ganzes Leben überreich anallen Genüssen des sogenannten Esprit. Besonders im Anfangeaber trat ohne Zweifel die französische Literatur auch mit denschwächeren und schlechteren Seiten des ausgezeichneten königlichenJünglings in eine Verbindung, welche selbst auf den Process, denihm sein Vater machte, nicht ganz ohne Einfluß geblieben zu seinbraucht.