Jagen in den Wäldern schätzte er niemals höher als das Aus-fegen eines Kamins. *) ,
Reicher und höher begabte Naturen pflegen bei jenem Con-flicte in der Erziehung, von welchem oben gesprochen ist, nichtselten ihre Zuflucht zu den rein menschlichen Gebieten der Litera-tur und Kunst zu nehmen, wo sie dann aber eben deshalb, weilihnen in intellectueller und in moralischer Hinsicht die Harmonieder Bildung fehlt, nicht über den Dilettantismus hinausgelangenkönnen. Ueber diesen Dilettantismus hat auch Friedrich der
Große mit Bezug auf Literatur und Kunst im allgemeinen nie
hinausgekonnt, wie hoch er sich auch durch die Versöhnung mitseinem Vorgänger als' Feldherr und Staatsmann noch er-heben konnte.
Hier verstand es sich nun aber fast von selbst, daß sich
Friedrichs literarisches Interesse nicht der deutschen Literatur
zuwenden konnte. Selbst sein Vater war zwar deutsch, aber erhatte wenigstens in Bezug auf Literatur ebenso wenig nationaleInteressen als ein märkischer Bauer oder ein salzburgischer Emi-grant, der eben erst aus den Händen des Bischofs Firmian kam.Für Friedrich lag die völlige Hingabe an die französische Literatursehr nahe. Nicht allein war auch in Potsdam die höfische Er-ziehung damals doch eine wesentlich französische. Auch den bürger-lichen Kreisen Berlins, wo noch jetzt mancher in der Schule dasdeutsche u stets wie ein französisches n ausspricht, waren durchdie französischen Colonisten bedeutende Elemente eigen. Sieregten sich während der Jugend Friedrichs des Großen auf jedeWeise. Der Prinzessin Wilhelmine sollen diese Colonisten wäh-rend ihrer Streitigkeiten mit ihrem Papa Körbe „voll guterSachen" zum Sattessen oder zum Naschen hingestellt haben. Nichtbloß sranzösirende Städte wie Berlin und PotSdam hatte dieMark damals, sondern auch ganze französische Dörfer. Französisch-Buchholz machte in den letzten Regierungsjahren Friedrich
') Bergt. Bielefeld I. S. 49.