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that. Und wirklich hat nicht der König, sondern Schulenburgdiese drei Bibelstellen aufgeschrieben, auf der Rückseite des Zet-tels, auf dem Sckmlenbnrg das sogenannte votnm regm, dieVerwerfung des ersten Urtheiles über Katte, eigenhändig ab-schrieb. Auch die erste Bibelstelle ist in seinem Geiste: denn er,der nicht ruhte, bis sein Regiment einen eigenen Feldpredigerhatte, gibt darin nur die Absicht zu erkennen, sich bei Priesternund Leviten Rath zu holen für sein schweres Richteramt.
-Im Ganzen und Großen erreichte der König jedenfallsseinen Zweck in Bezug auf den Kronprinzen. Das Gefängnißwurde zum Correctiv für das relativ wenigstens unsittlicheTraumleben, welches Friedrich an dem nüchternen Hofe zu Pots-dam geführt hatte. Erst als Arbeiter in der Kriegs- und Do-mänenkammer zu Küstrin beugte sich dieser eiserne, wenn auchlebhafte Geist unter eine rauhe Wirklichkeit, gleichviel ob sieseinem Freiheitsgefühle später noch widersprochen haben mag odernicht. Wie einst der Dichter Günther seinen Vater, so hatteauch Friedrich den König um „Gnade, Vergebung und selbstgefällige Bcahndung" gebeten. Seine Reue war auf-richtig, wenn sie auch nur äußerlich während des milden geist-lichen Zuspruches nach Katte's Tode diejenige Form der Bußeannahm, die den frommen Sinn seines Vaters allein mit ihmganz versöhnen konnte. Weit entfernt, diesen Versuch einer völli-gen Unterwerfung unter den Geist des Vaters von seinem Stand-punkte aus zu überschätzen, belohnte ihn doch der König bald sehrweise, indem er dem Kronprinzen ein immer größeres Maß vongeistiger Freiheit gewährte.
Aber noch ein zweites mal schwebte das Leben Friedrichsin Gefahr*) — wir wissen nicht, ob vor oder nach der Zeit des
*) In Bezug auf diesen Vorfall folge ich einer mündlichen Mit-theilung des Hrn. Gymnasialdirectors W. Schwartz in Posen unddes Hrn. Böttcher in Berlin. Die Erzählung, wie sie schon in einemBuche steht, ist ungenau.