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bereits deutlich die Vorläufer und Vorbilder für die Manierunseres altmärkischen Dichters Bornemann erblicken können.
Am Sonntage nach Friedrichs Hochzeit predigte Mosheim„von der Heirat des Gerechten." Es schien nun nicht mehrwahr zu sein, waS die Zeitgenossen zitternd mit dem Kronprinzenvon Preußen selbst erlebt hatten. Gewissermaßen galt für Fried-richs Verhältniß zu seinem Vater von nun an, was Leopoldvon Ranke*) als ein allgemeines Gesetz für die politische Ent-wickelung jener Zeit aufgestellt hat. Er sagt nämlich: „DaSdeutsche Leben im achtzehnten Jahrhundert beruht darauf, daßder Gegensatz, der den Gesichtskreis der Politik beherrscht, dochauch zugleich eine gewisse Selbständigkeit der Aktion ermöglichtund selbst provocirt." Friedrich brachte es im Militairrange beiseinem Vater selbst bis zum Generalmajor, wenn auch nichtweiter ").
In diesen schönen Tagen der Eintracht, welche FriedrichWilhelm, der größte Haushalter unter den Hohenzollern, nochmit dem größten Philosophen seines Hauses zusammen verlebte,schienen Potsdam und Berlin den ersten volleren Glanz auszu-strahlen. Und hatte nicht der alternde König aus seinem Pots-dam ein „zweites Venedig" gemacht? Man fand, daß in denneuen Gebäuden Berlins durchgängig der Geschmack Griechen-lands und Roms herrsche. Zum mindesten aber schien dasSchloß, das Zeughaus, das Gießhaus, die Bildhauer-Akademie,einige Kirchen und der vordere Theil deS Posthauses an Voll-kommenheit nur wenigen Palästen des neueren Italiens nachzu-stehen. Die Reiterstatue des großen Kurfürsten aber verbreitete1793 auf ihrem Fußgestelle von weißem Marmor noch einen weitgrößeren Glanz als jetzt."*) Die Märkte der Stadt hatten sich
Der Ursprung des siebenjährigen Krieges. Leipzig, Dnnckerund Humbiöt 1871. S. 27.
Preuß, Jugend und Thronbesteigung. S. 261.
Vergl. Bielefeld l. S. 14. 15.