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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Am 11. Juni 1733 *) strömten viele Zuschauer aus derGegend von Braunschweig und Wolfenbüttel nach dem bevern-schen Schlvßgarten zu Salzdahlen, um ein neues Schäserspiel zusehen. Friedrich der Große und sein Vater, der ihm einst denProcess gemacht hatte, traten mit hundert andern Personen alsHirten darin auf. Aber der Inhalt dieses Schäferspieles mußtedem Herzen Friedrich Wilhelms I. wohl thun. Die zarte Lieb-haberrolle, welche der Kronprinz darin spielte, war der Höhe-punkt seiner Unterwürfigkeit gegen den königlichen Vater. Friedrichder Große trat nämlich in Bauerntracht mit zwei andern Hirtenvor den Herzog von Braunschweig-Bevern als Hirtenfiirsten.Alle drei, die besten Flötisten in Arkadien, baten um die schönsteTochter Arkadiens, welche von der Braut gespielt wurde. Derbeste Flötenbläser unter den drei jungen Hirten sollte die schönsteTochter Arkadiens erhalten- Alle drei spielten zum Entzücken,aber Allen versagte der Hirtenkönig die Hand der schönstenSchäferin. Da kündigte eine unvergleichliche Musik in der Fernedie Ankunft des Apollo selber an. Dieser erklärte den Kron-prinzen Friedrich für den besten Flötenspieler in Arkadien undbeglückte ihn mit der Hand der Prinzessin von Braunschweig-Bevern. Die Hochzeitstänze der Hirten schlössen sich daran. AmTage darauf fand die Trauung statt. Am 14. Juni machte derHof von Salzdahlen eine Lustfahrt zu den Ruinen der Asseburg.Dort wurde ein antiquarischer Vortrug gehalten, in dem wohlder alteLurenbarg" (der Lauerberg der ehemaligen Raubritterauf der Asse) nicht unerklärt geblieben sein wird. Am 15. Junibrachen die Hvhenzollern aus Niedersachsen wieder nach der Markauf. Auf dieser Hochzeitsreise war es, daß sich in der Magde-burger Gegend die ersten plattdeutschen Gedichte von einer mehrmodernen Form an das hohe Paar herandrängten, in denen wir

*) Vngl. den interessanten Aufsatz von Adolf Glaserdie Hoch-zeit Friedrichs des Großen" in den illustrirten Monatsheften vornOktober 1871, S. 103-107.