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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Richt die Kriege Friedrichs, sondern sein eigener früher Todhinderte Pyra an der Fortentwickelung dieses fruchtbaren Ge-dankens, der dann besonders von den preußischen Dichtern wäh-rend des siebenjährigen Krieges, mitunter im Zelt und beiFriedrichs Fahnen, weiter ausgebildet wurde.

Zunächst trat leider hauptsächlich Samuel Gotthold Langenach Pyra's Tode für diesen ein. Er kämpfte beharrlich für denguten Geschmack" gegen Gottsched und war der Führer despreußischen Dichterkreises so lange als derselbe über die Bestre-bungen der Schweizer nicht hinausging. Als Dichter unbedeu-tend, wurde er oft sogar eonfus, weil er wie der tiefere und fei-nere Pyra zugleich geistlicher und weltlicher Dichter war. Als erindessen mit einer Ode auf die Siege Friedrichs hervortrat, er-regte er durch die neue Kriegspoesie eine ähnliche Sensation wiespater Bürger durch die Lenvre; Breitinger, der die Ode Abendsauf seiner Stube allein las, fürchtete sich wie ein Kind, daß Je-mand auf ihn loszöge. Ramler schrieb jedoch schon am 26. Febr.1747 aus Lähme an Gleim, Lange's Unglück sei es, daß er esmit der einen Seite verdorben habe und von der anderen keineHochachtung zu erwerben wisse.

Lange's Kriegspoesie mußte alsbald in's Französische über-setzt werden. Aber schon bei Verherrlichung des dresdener Frie-densschlusses zeigte sich Lange's Stellung an der Spitze derDichtergruppe unterhöhlt. Wie Gottsched in seinen literarischenBestrebungen durch seine Gattin, eine geborene Culmus, unter-stützt wurde, so hatte auch Lange, Gottscheds Gegensatz, seineanakreontische Poesie durch die thätige Theilnahme seiner Ehe-frau, derDoris", etwas zu bereichern gesucht. Diese sollte jetztauch Friedrich den Dank ihres Geschlechtes über den Friedens-schluß in einem Gedichte aussprechen. Nun vertheidigte zwarSulzer hartnäckig im Kreise der Freunde ebensowohl Lange'sFestgedicht auf den Frieden als das der Doris. Dagegen zeigteGleim bei dieser Gelegenheit bereits ein ahnungsvolles Verständ-niß für die politische Poesie, indem er wenigstens das Gedicht