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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Dieses schreiben enthält schon einige der Gedanken des Kö-nigs in der späteren Abhandlung über die deutsche Literatur undim Erlasse über den Unterricht. Zugleich geht es ganz auf dieBestrebungen der damaligen zu Uebersetzungm so geneigten preußi-schen Dichterschulc ein. Es waren jedoch die horazischen Vers-maße in Lange's Uebersetzung noch fast bis zur Unkenntlichkeitentstellt. Die vorgeschobene Kürze zu Anfang, welche auch KleistsFrühling entstellt hatte, gab den meisten dieser gemischten Metraeine molluskenartige Weichheit. Wenn nun auch dies die Zeit-genossen weniger empfanden, so war doch Lessing schon im Stande,eine Anzahl grober Schnitzer an Lange's Horaz aufzudecken.Das erste deutsche Buch, welches Friedrich lobte, wurde so auchdas erste, welches Lessing mit einer damals noch ungewöhnlichenHeftigkeit verwarf. Ramler in Berlin, auf welchen wirklich ge-niale Männer stets im Anfange einen etwas wunderlichen Ein-druck machten, meinte damals, daß Lessing sich freue, überallheimliche Autorstreiche dies solle heißen: Streiche auf Auto-ren auszuführen. Lessing hatte Lange seiner Meinung nachgelinder und doch richtig beurtheilen können. Er ahnte nicht dieinnere Nothwendigkeit der literarifchen Vernichtung Lange's.

In der That war diese zugleich einer der Schritte, durchwelcke die deutschen Autoren über den Standpunkt der Schweizerhinausgingen, deren treuester Bundesgenosse Lange war. DieSchweizer hatten die vierziger Jahre, in welche ihre Blüthezeitfallt, benutzt, um ihren gebildetsten Theoreticus als Vorposten bisin die Hauptstadt des großen Friedrich vorzuschieben. Ihre mo-ralisch-religiöse Haltung hatte für Sulz er zunächst den Zutrittzum Hofprcdiger Sack gebahnt. Zu der Anstellung, Die ihmdieser in Berlin verschaffte, scheint indessen auch Gleim mit-gewirkt zu haben. Um so mehr sollte nun von diesen Verhält-nissen auch ein Genie Vortheil ziehen, das im Stiftsländckenjener Aeblissinnen geboren war, welche in der Zeit König FriedrichWilhelms I. der bekannte Hr. v. Plotho, nachmals einer dertreuestm Diener Friedrichs des Einzigen, auf seine eigenthümliche