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beschäftigt. Es war höchst seltsam, wie Pyra und andere Freundein Allem eine Aehnlichkeit zwischen Lange und Horaz heraus-zufinden wußten, besonders als er an dem General Stille zuAschersleben sogar einen zweiten Maecenas gefunden hatte! Langebesorgte von Stille 1747 ein komisches Heldengedicht, der Lerchen-krieg, welches den Lerchenfang bei Aschersleben schilderte, zum be-sonderen Abdrucke. Wirklich aber waren die Pläne der Freunde,Friedrich zum Augustus der deutschen Literatur zu machen, ihrerVerwirklichung nie so nahe, als da ein preußischer General,welcher selbst in deutscher Sprache dichtete, die Sache der deut-schen Literatur vor dem Throne zu führen versprach. Stille starbindessen für seine Freunde zu früh (1752). Sehr eifrig ver-handelte der König mit ihm über Horaz. Und wie öde die wenig-stens theoretisch durch Lange gewissermaßen beherrschte Periodeder preußischen Dichtung von Pyra's Tode bis zu Lessings Vade-mecum auch noch war, so zeigte Friedrich doch gerade noch inner-halb derselben bei dem Erscheinen des Horaz von Lange, daß ernur allzu geneigt war, auf solche Bestrebungen der preußischenDichter einzugehen, welche in seinen Augen eine Zukunft zu habenschienen. Er beantwortete nämlich Dedication und Zusendungdes Buches mit folgendem bisher ungedrucklen Schreiben:
„An den Prediger Lange zu Laublingen.
Würdiger, Lieber Getreuer. Ich habe euer Schreiben vom30. voriges Monaths nebst der Mir zugeeigneten neuen deutschenUebersetzung des Hvratz wohl erhalten, und wie Mir eure da-durch gezeigte ckovote Jltention zu gnädigsten Gefallen gereichet,also zweifele Ich nicht, es werde eure wohl gerathene Arbeit derSchul Jugend bey Lesung dieses lebhaften J.ntori8 in der Thatnützlich seyn, und dadurch der Zweck eurer angewandten Be-mühung völlig erreichet werden. Ich verbleibe übrigens EuerGnädiger König (gez.) Friedrich."
kokäain den 9. Aprill 1752.