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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
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unter dem besonderen Beistande des heiligen Geistes vollendetzu haben.

Das roßbacher Siegeslied, im Ganzen ebenso sorgfältig ge-feilt als die anderen Grenadierlieder, scheint dennoch bis auf denheutigen Tag die merkwürdige Spur eines flüchtigeren Ursprungsan sich zu tragen. Wir meinen in der Stelle*):

Da dacht ein witziger Franzos:

Unrühmlich sei die Schlacht,

Sein Ludewig sey viel zu groß.

Zu wenig Friedrichs Macht.

Als aber Keith drauf vor uns her,

Der Tapfre: Feuer! rief,

Und Feuer ward; o da war erDer erste, welcher lief.

Nach dem Wortlaut der zuletzt angeführten Strophe WareKeith, nachdem er in der Schlacht bei Roßbach: Feuer! komman-dirt, auch selbst dort der erste gewesen,welcher lief." Mit diesersonderbaren Stelle nun verhält es sich folgendermaßen: Gleimhatte ursprünglich in der zweiten der beiden angeführten Stro-phen einen Anderen als Keith genannt. Allein Kleist, der dasGedicht bei der Armee und bei Hofe bekannt machen wollte, be-merkte die verfängliche Wendung in dem letzten der von uns ab-geschriebenen Verse. Deshalb setzte er an die Stelle des Namens,der dort ursprünglich stand, den des tapferen Schottländers.Wenn man nun auch (besonders mit Rücksicht darauf, daß Keithder deutschen Sprache nicht mächtig war) wohl in Versuchungkommen könnte, auf dieses erste literarische Denkmal, das Kleisteinem hohen Kameraden setzte, den Wahlspruch des englischen

*) Wir citiren dieselbe nach einem Drucke, betiteltSieges-Liedder Preußen nach der Schlacht bei Roßbach, Berlin 1757." OhneSeitenzahlen. (In Kletke's Besitz.) Da dieser Druck auch nicht dervon Kleist besorgte sein kann, so muß ein zweiter berliner Abdruckgemacht sein, der der Kleist'schen Ausgabe in diesen Strophen gleich-kämet, oder Gleim hat Kleists Lorrectur zeitig genug bekommen, umsie noch für den ersten berliner Druck verwenden zu können.