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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Ordens vom Kniebandellonni 8oit gui mal ^ psuss" anzu-wenden, so hat dagegen Kleist selbst in der Rechtfertigung seinerAbänderung in einem Briefe an Gleim jenem Feldmarschall,dessen Leben später Varnhagen schrieb, nur ein desto unzweideuti-geres Monument gesetzt. Kleist schrieb nämlich, daß Keith dieseVerherrlichung verdiene, weil er ein wahrer Held sei,der demTode mit kaltem Blute bravirt" habe. Er werde keine Zwei-deutigkeit suchen, wo keine sei. Auch habe sie bei ihmnicht soviel" zu bedeuten. Kleist hatte sogleich eigenmächtig einen neuenAbdruck mit dieser Aenderung veranstaltet. Jedenfalls wurde sievon Lessing und Gleim in alle späteren Drucke aufgenommen.

Von Glcims Siegesliede auf die Schlacht bei Lissa (Leuthen)besitzen wir eine ausführlichere handschriftliche Fassung, in der esdem roßbacher Siegesliede sehr ähnlich ist. Es kommt darinfolgende Strophe vor:

Ja, Prinz,*) laß heute den CapaunAm Spieße langsam drehn,

Es möcht ihn diesmal Du und DannSpät auf der Tafel sehn.

Eine andere Strophe lautet in der Handschrift:

Das fürchterliche Hudry hutt")

Brüllt heute kein Pandur,

Heut ist er ganz und gar caput,

In Wäldern brumt er nur.

Gleim scheint diese und viele ähnliche Strophen getilgt zuhaben, um dem Gedichte einen etwas mehr versöhnlichen Cha-rakter zu geben. Schon am Schlüsse dieses Gedichtes, wie es beiLessing und in Gleims Werken gedruckt ist, arbeitete er sehr ernst-lich auf den Frieden hin. Darauf folgte dann in Lesstng's Aus-gabe der Grenadierlieder nur noch das Lied an Maria Theresia,in dem es von Friedrich hieß:

*) Karl von Lotharingen.

")Der Panduren gewöhnliches Geschrei, wenn sieihrem Feind nachhauen". Handschriftliche Anmerkung von Gleim.