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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Student wenigstens nichts Schlechtes begangen habe. Als Sol-dat hatte er im AuSlande begonnen. Nach und nach lernte deredle Mann durch den früh entwickelten Patriotismus Gleimsauch seine Stellung als preußischer Offizier immer höher auf-fassen. Inzwischen begann'er, dessen erster Brief an Gleim*)noch französisch geschrieben ist, auch die deutsche Literatur immermehr zu schätzen. Wenn er krank gewesen war, so glaubte er sichdurch deutsche Gedichte geheilt. Um gesund zu bleiben verlangteer nach mehreren. Ihn aufgeräumt zu machen,bediente" sichGleim derihm so angenehmen Poesie." Er schrieb Fabeln undLiederganz allein für ihn". Ihm Vergnügen zu machen wurdeGleimein preußischer Grenadier" und sang seinemliebenMajor Kriegslieder". Je mehr Kleist aber selbst zu producirenbegann, um so mehr traten doch die lieblichen Gemälde des Frie-dens, die lachenden Fluren und eine unüberwindliche Sehnsuchtnach dem Landleben vor seine Seele. In diesem Sinne schrieb erals ein echter Landedelmann im besten Sinne des Wortes seinenFrühling. Das liebliche Gedicht ist eine Nachahmung der eng-lischen Literatur, wodurch es dem Verständnisse des Königs, wennes ihm jemals vorgelegt wäre, schon etwas ferner gerückt wäre.Wenigstens ist ebensowenig ein Fall bekannt, in dem Friedricheine den Engländern nachgeahmte deutsche Dichtung als eine aufdem vvlksthümlichen Elemente der deutschen Literatur selbst be-ruhende Dichtung zu würdigen gewußt hätte.

Am 5. April 1756 wünschte Kleist seiner Kränklichkeit we-gen vergeblich eine Jagdbedienung bei Halberstadt zu erhalten.Man weiß, daß ich immer kranke", schrieb er deshalb an Gleim,und der König und der Prinz") will mir woll." Die Scho-nung des Landmanns empfahl er dann auch noch in seinem ein-zigen Kriegsliede, welches er im März 1757 an die preußischeArmee gerichtet hat.

*) vs kotsäain es 4. äu vse. lau 1743.Heinrich.