Buch 
Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
JPEG-Download
 

81

selbst für die politische Poesie in dem Gedichte Gleims zum erstenmale bemerkbaren größeren Affect in der Rede hätten bewundernund die Druckerlaubniß nöthigen Falls im Kriegslager ein-holen können, saßen in der Hauptstadt des Landes ein Lessingund ein Herzberg, jeder in seiner Art schon damals als großerMeister der deutschen Sprache bekannt, streng zu Gericht, um derDichtung nur ein verkümmertes Dasein zuzugestehen. Es kann garkeine Frage sein, daß Gleim die Rückkehr des Monarchen in dieGegend von Küstrin benutzen wollte, um durch ein deutsches Gedicht,in welchem die ergreifenden Bilder aus Friedrichs Leben sich geradezuhäufen, das Herz seines Königs zu rühren. Dem Rächer Küstrins,dem Freunde Katte's sollte die deutsche Muse sich weinend an dieBrust werfen. Allein man fand einige der betreffenden Stellensehr anstößig, weil der König in Bezug auf gewisse Vorgänge inseiner Jugend sich selbst sehr entschieden Unrecht gegeben habe.Nicht ohne Zartgefühl verleugnete Gleim nun den höheren Zweckdes Gedichtes eben so sehr als den erhabenen Ton der von Anfangbis zu Ende aus einem sehr hohen Cothurne einherschreitendenDichtung. Er habe nur ein schlichtes Volkslied, er habe keinehöfische Poesie liefern wollen, so bemerkte er. Der Grenadiersei es, der in dem Gedichte die Frage beantworte:Ein Königweint?" wenn auch ein Höfling sie stelle. In jeder Hinsicht beriefer sich zur Vertheidigung des Gedichtes nur noch aus geschicht-liche Nachrichten. So hatte er im zorndorfer Siegesliede denKönig vor Frankfurt an der Oder in die niedere Hütte einerarmen frommen Wittwe einkehren lassen. Gleim machte dazuin einem Handexemplare folgende Anmerkung:Diese frommeWittwe nebst dem, was sonst an dieser Stelle obenhin berührt

*) Gleims sämmtl. Werke IV, S. 69. Vers 99 und 100. Frank-furt au der Oder bezeichnet Gleim hier nur als die Stadt,wo Baum-garten Friedrichs Weisheit lehrt." Damit ist Alex. Gottlieb Baum-garten, der Gründer der Aesthetik gemeint, der 17401762 in Frankfurtlehrte. Durch eine Schrift ist er an der Friedrichs-Literatur Letheiligt.

6