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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Sehr viel trug eine lange Reihe von bedeutenden Unfällen,welche die Familie Kleist durch die Russen erfuhr, zur Verdüsterungder Stimmung im Kreise der Freunde bei. Zwar als die Russenzuerst ein Gut der Familie Kleist verwüstet hatten, wollte Gleim fürseinen Freund noch ganz lustig sein Kanonikat zu Walbeck beiWeferlingen verkaufen. Ja, um seinen Kleist durch ein Geschenkvon 10,000 Thalern glücklich machen zu können, wollte er zudessen Bestem schon den Homer übersetzen. Hatte ihn doch Kleistdurch seinen im Felde geschriebenen Cissides und Paches selbstwieder auf die Alten geführt. Aber nochmals trieben die Russenvon dem kleinen Kleist'schen Gute 93 Stück Rindvieh und Pferdehinweg. Schon als die Russen einen hochbetagten Vetter Ewaldsvon Kleist überfallen und getödtet hatten, schrieb Ramler an Gleim:jetzt möge der Grenadier fluchen.

So war die Stimmung im Kreise der Freunde noch, alsder ritterliche Kleist in die Schlacht bei Kunersdorf *) zog.

Durch Kleists Tod wurde die Kriegspoesie mit dem Bluteeines der Dichter besiegelt. Kleist hatte in Gedichten zu oft vomTode gesprochen, als daß wir die Frage, ob er den Tod gesuchthabe, hier umgehen könnten. Er hatte in seinem Gedichte an dieArmee es dieser vorhergesagt, daß sie noch seinen Heldentod würdebewundern müssen, wie ihn denn nun wirklich zum wenigsten alleSoldatenfrauen von der Königin in Magdeburg bis zur gering-sten Berlinerin, die von einem Besuche im preußischen Lager nachder Hauptstadt zurückkehrte, beweint zu haben scheinen. Sehrbestimmt hatte er es am Schlüsse von Cissides und Paches aus-gesprochen, daß er zum Tode fürs Vaterland bereit sei, wennsein Verhängniß ihn rufe. Je freudiger aber Kleist sich in einemgefahrvollen Augenblicke für das Vaterland opferte, um so mehrmuß der Gedanke zurückgewiesen werden, daß dies aus Ueberdrußam Leben geschehen sei. Allerdings hatte er früher an Gleimgeschrieben, daß er in einem Buche über die Hypochondrie keinen

y 12. August 175S.