7. Lessing.
,,Draus zu Demodokos sprach der erfindungsreiche Odysseus:
Hoch, o Demodokos, preist dich mein Herz vor den Sterblichen allen!Dich hat die Muse gelehrt, Zeus Tochter — sie, oder Apollo»!
So genau nach der Ordnung besingst du der Danaer Schicksal,
Was sie gethan und erduldet im lang abmüdenden Feldzug,
Gleich als ob du selber dabei warst, oder es hörtest."
Homer.
Es war zu Ende des Jahres 1760 als Lessing, zuletzt mitden Literaturbriefen beschäftigt, Ramler in Berlin !drei Reposi-torien voll Bücher aufzuheben gab mit den Worten: „Ich bieteIhnen Trotz ein einziges gutes darunter zu finden!" Dann ver-ließ er Berlin, besuchte Kleists Grab in Frankfurt au der Oderund begab sich von da weiter nach Breslau, um bei dem GeneralTauenzien die Stelle eines Secretairs zu übernehmen. Ohneallen Zweifel war er mit Tauenzien durch Kleist in Leipzig be-kannt geworden*). Daß Lessing ohne seinen Aufenthalt in Breslau
*) Danzel in seinem Lessing I, S. 465 vermuthet dies, weil KleistTauenzien in seinem Briefe an Gleim vom 3. Februar 1758 erwähneWohl schwerlich aber hatte Danzel diesen Brief selbst gesehen, da ersonst gewiß hinzugefügt hätte, daß in demselben Briefe ausdrücklich-em Besuch bezeugt wird, den Lessing bei Kleist am nämlichen Tage,von welchem der Tauenzien betreffende Brief datirt ist, abstattete. Nochweniger ist es Danzel bekannt, daß Tauenzien außerdem in KleistsBriefe an Gleim vom 6. Februar 1758 erwähnt wird. In dem Briefevom 3. meldet Kleist, daß Tauenzien vom Könige den Auftrag zu einemkleinen Streifzuge gegen die Franzosen, der die Halberstädter besonderserfreuen mußte, erhalten habe. Namentlich der Brief vom 6., nach