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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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die Minna von Barnhelm nicht geschrieben hätte, liegt trotzder Mangelhaftigkeit der Nachrichten über jenen Abschnitt seinesLebens auf der Hand. Offenbar spiegelt das Stück die unmittel-bare Gegenwart selbst. Die preußische Dichtkunst war von derNachahmung der Alten ausgegangen, aber von Anfang an durchdie unvergleichliche Geschichte der damaligen Zeit geleitet. Siebeschließt diesen ihren Entwickelungsgang, indem sie in Minnavon Barnhelm die Gegenwart unmittelbar anschaut und in dra-matischer sForm selbst darstellt. Minna von Barnhelm ist dieMinerva, die als vollendetes Kunstwerk beinahe plötzlich aus derkriegerischen Znt selbst bei deren Abschlüsse hervorspringt. SchonGoethe hat dieses empfunden, da er Minna von Barnhelm diewahrste Ausgeburt des siebenjährigen Krieges nennt. Auch denvollkommenen norddeutschen Nationalgehalt" des Stückes hebtGoethe schon hervor. Dieneuesten französischen Anekdoten",von denen RamlerHerrn Lessing, Vsssens Zeitungsschreiber",voll gefunden hatte, als er ihn zuerst in Herrn Vofsens Buch-laden kennen lernte, lassen sich zwar in Minna von Barnhelmauch noch nachweisen, sind aber hier gegen die Franzosen selbstgerichtet. Die Spuren französischen Einflusses auf die deutscheLiteratur zeigen sich in Minna von Barnhelm nur noch im Ver-schwinden begriffen.

Vor Allem sagt Goethe sehr richtig, daß Minna von Barn-helmzwischen Krieg und Frieden, Haß und Neigung erzeugt ist."Lessing hatte eine große Hochachtung vor dem preußischen Volke.Den Preußen (sagt,er einmal) sind die Helventugenden eben soangeboren wie den Spartanern des Alterthums. In feinem Lust-

welchem Gleim Henckel zu einem dienstlichen Zeitungsberichte, der wohlhauptsächlich in Tauenziens Interesse lag, veranlassen sollte, läßt aufeine große Vertrautheit zwischen Kleist und Taucnzien schließen. BeideBriefe sind auch für die Geschichte von sehr großem Interesse.Einige Geschäftsbriefe, welche Lessing im Auftrage Tauenziens geschriebenund Tauenzien unterzeichnet hat, sind mit den übrigen »»gedrucktenLessingianis auf der wolfenbüttlcr Bibliothek zusammen erschienen.