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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
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spiele verherrlicht er jenes preußische Heer, wie wir es noch1866 und 1870 sahen und wie es vor ihm schon Kleist inseinem Gedicht besungen hatte. Wenn wir auch jenem kleinenGedichte von Kleist keinen Einfluß auf Minna von Barnhelmzuschreiben, so sind doch die Beziehungen Kleists zu diesem Stückesehr zahlreich. Sie sind theils literarischer, theils biographischerArt. Um die vielen Beziehungen der Miuna von Barnhelm zuKleist ganz zu verstehen, muß man wissen, daß in diesemheroischenLustspiele" zuerst die großmüthige Handlungsweise der auftretendenPersonen als das Wesentliche galt. Bei den ersten wichtigen Dar-stellungen hieß das Stuckdie Großmüthigen." Die sehr hochgesteigerte militairische Großmuth scheint uns aber in KleistsCisstdes und Paches zuerst vorzukommen. Ihre zunächst nur be-fremdende Uebertragung aufs Lustspiel ist von Lesstng mit einergenialen lleberlegenheit durchgeführt worden.

Lesstng schilderte in dem Tellheim dieses Drama's außerseinem eignen unter Anderm auch Kleists Charakter mit der-selben an leise Ironie streifenden Wahrheitsliebe, mit welcherKleist ihn selbst in einem seiner Briefe an Gleim geschildert hat.Wer im Tellheim bloß Lessings Selbstportrait sieht, hat von KleistsLeben und Charakter nur eine sehr unvollkommene Kenntniß. DieFreundschaft beider Geister war eine viel tiefere gewesen als diezwischen Kleist und Gleim. Mit Gebeten und ernsten Gedankenan den Tod beschäftigt, hatte Kleist zu Gleims größtem Schmerzenach seiner Verwundung bei Kunersdorf Gleim nicht mehr er-wähnt. Wohl aber hatte er noch gesagt, daß die Kosaken, welchediesen blefsirten preußischen Major nicht allein bis aufs Hemd,sondern sogar bis auf die Perrücke ausplünderten, auch seineSchreibtafel mitgenommen hätten, die außer dem Entwürfe zueinem Trauerspiele auch ein Gedicht an Lesstng enthalten habe?)

Brief des Professor Nicolai in Frankfurt an Gleim vorn 26. Sept.1759 in der kurzen Nachricht von dem Absterben des Herrn Obrist-wachtmeisters von Kleist, in Kleists Handschriften und Briefwechsel, derGleim'schen Familienstiftnng gehörig.