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Im Jahre 1749 gab Ramler seine Bearbeitung des Früh-lings von Kleist heraus. Das Landleben und den Feldbau hatteRamler schon während seines Aufenthalts in Lahme förmlichstudirt. Um so freier waren seine Veränderungen an KleistsGedichte. Auch sonst war er schon den berliner Buchhändlernbei ihren Publikationen zur Hand gegangen. Der Prediger Richteraus Frankfurt an der Oder ließ bei Schütz in Berlin ein Ge-dicht auf die Schlacht bei Friedberg*) drucken. Der gute Mannbeklagte sich nachher sehr bitter, weil Drucker und Correctorgleich wenig getaugt hätten. Der Corrector aber war — Ramlergewesen, der schon damals von allen Autoren die modernste Ortho-graphie und die meiste Einsicht in die Kriegspoesie besaß- —Ueber Ramlers Veränderungen deutscher Dichter ist das letzteWort noch nicht gesagt. Kleist widersprach sich in seinen Ur-theilen über die Bearbeitung seines Frühlings durch Ramler.Johann Heinrich Voß vertheidigte Ramlers Veränderungen desGötz in einer eigenen Schrift. Er war dabei aber zu sehrPartei, da er an Hölty ähnlich gehandelt hatte wie Ramler anKleist. Man, darf auch nicht übersehen, daß Kleist als Offizierund Götz als Superintendent zu den Zeiten, da sie Ramlerdie Vollmacht zu diesen Aenderungen ertheilten, dadurch viel-leicht nur die Schwierigkeiten, welche sich ihnen bei der Ver-öffentlichung in den Weg stellten, umgehen wollten. Wir be-greifen vollkommen, wie Gleim später Ramler wegen dieser Publi-kationen sogar einer gewinnsüchtigen Absicht beschuldigen konnte.Dahingegen spricht es in hohem Grade für Ramler, daß Gleim,indem er sich Ramlers Kritik endlich ganz entzieht, nur nochRückschritte macht und bei der Fortentwickelung der deutschenPoesie nur noch die Rolle des Mäcenas spielt. Vollständig kanndie Frage, ob Ramler die Werke der andern deutschen Dichterverbessert oder verschlechtert habe, nur durch eine bis jetzt von
') Hohenfriedberg 4. Juni 1745.
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