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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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an. Er hat dieselbe später als berühmter Dichter noch beerbt.Während seiner wissenschaftlichen Ausbildung in der Jugendwurde er auf eine beklagenswertste Weise von ihr im Stichegelassen. Nachdem er besonders die lateinische Schule des Halle-schen Waisenhauses durchlaufen hatte, verlangte sein Vater vonihm,daß er das OolloZium aimtomieum besuchen und hier-nächst zu Halle Medicin studiren solle." *) Als er sich dem Be-suche des LolloZium anatoinioum widersetzte, zog der Vater dieHand von ihm ab. Es ist so gut als unbekannt und darf wohltheilweise für die von seinem Freunde Sulzer bei Gelegenheitder anderweitigen Besetzung einiger Stellen gegen Ramler be-wiesene Härte zur Entschuldigung dienen, daß dieser eigentlichgar keine Universität besucht hat. Frühzeitig angezogen vonFriedrichs Hauptstadt war er als zwanzigjähriger Jüngling schonin Berlin. Gleim wohnte damals in Potsdam. Einst kam ernach Berlin. Da sagte ihm der Buchhändler Rüdiger, daßdraußen vor seinem Buchladen ein junger Mensch stände, derihn gar zu gern kennen lernen wolle. Es war Ramler. Gleimrettete ihn aus großen sittlichen Gefahren und gab ihm freieWohnung in seinem Absteigequartiere. Auf der damals nachWerneuchen eingepfarrten märkischen Domaine Lahme unweitBlumberg als Hauslehrer bei Gleims Schwager, dem Ober-amtmann Fromme, einem Günstlinge Friedrichs und einem derältesten Zeugen seiner wahrhaft landesväterlichen Fürsorge, scheintRamler seine Schulkenntnisse mehr vertieft als erweitert zuhaben. Nach Berlin zurückgekehrt, wurde er Vorleser bei demblinden Herrn du Rosee. Auch war erKinderlehrer". 1748wurde er Lehrer am Cadettenhofe mit jährlich 120144 Thlrn.Gehalt.

Unserer Darstellung liegen zu Grunde Ramler's Briefe anGleim und besonders das ManuscriptRamler" von Gleim (8 geschrie-bene Octavseiten). Dieses findet sich am Schlüsse des S. und letztenBandes der Briefe Ramler's an Gleim. Es ist wahrscheinlich unge--druckt, jedenfalls aber von den Literarhistorikern unbenutzt geblieben.