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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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bastische Prosa des allen Klopstock sich bei dem Sohne in den schwerverständlichen Stil der Ode verwandelt, so findet sich auch feinreligiöser Aberglauben bei seinen Kindern nur noch in der Formeiner gebildeten Predigerphantasie wieder.Ich verehre dengroßen Gott", sagte jener Bruder des Dichters, da er sich wäh-rend eines schönen Regens in einen Baum gesetzt hatte. Als dieeigentliche Quelle dieser sittenstrengen aber doch heitern Religio-sität, in einer ausgedehnten echt protestantischen Familie (Klopstockhatte 16 Geschwister) wird vor Allen die Großmutter Julia ineiner feierlichen Ode gerühmt. Die Freude des Vaters Klopstockwar der Umgang mit Gleim und jenen talentvollen quedlin-burgischen Geistlichen, die meist in den Oden seines Sohnes ge-nannt werden und diesem zum Theil selbst ins Ausland folgten.Ein altes großväterliches geschliffenes Kelchglas wurde ihm nochviel kostbarer, als Pastor Cramer, der alte Mitarbeiter der bremerBeiträge, bei seinem Abgänge nach Kopenhagen daraus den Ab-schiedstrunk gethan hatte. Er vermachte es seinem Gleim.

In neuerer Zeit hat Gustav Freytag die Aufmerksamkeitauch aus die Geschichte bürgerlicher Familien hingelenkt. Nirgendsaber findet sich ein kräftigeres Bürgerthum als in dem jetzigenpreußischen Kreise, der sich von der alten Burg, auf welcherHeinrich I. begraben liegt, bis zu dem alten Schlosse von As-kanien erstreckt und demnach die Städte Quedlinburg und Aschers-leben einschließt. Hier und in ihrer nächsten Umgebung sinddie Bürger und die Bauer zu Hause. Neben den genanntenVorfahren Bürgers saßen früher die nach Schlesien ausgewan-derten Vorfahren Johann Christian Günthers. Das ganzeFeuer der Sinnlichkeit, welches in der deutschen Literatur lodert,hat sich fast in diesen zwei oder drei Familien entzündet. Nochaber leben die Günther dort in der Gegend fort. Als 1871dem Pädagogen Gutsmuths eine Gedenktafel gesetzt wurde, stolzirteein alter Mann Namens Günther als Neffe von Gutsmuthsim Festzuge einher. Rein und unvermischt saßen ebensowohl dieEltern der Götze's als die Klopstöcke dazwischen. Aber der Vater