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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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seines Gartens wurde der große Werder bei Magdeburg dieglückliche Insel genannt. Vor sich hat man in den Gartendie Elbe. Früher lief hinter den Gärten ein ganz wilder Wegvorbei. Jetzt ist auch dieser Weg viel breiter. Im Sommer 1750(es war der Höhepunct von Klopstocks Glänze) führte Gleim seinenKlopstock in einem vierspännigen Wagen zu Bachmann nach Magde-burg, um dort von vielen ausgezeichneten Verehrern desMessias"nach den damals noch geltenden freieren und herzlicheren Sittenmit Küssen belohnt zu werden und mit dem Oberhofprediger Sackaus Berlin, vielleicht schon damals dem einflußreichsten Mitgliededes Oberconsistoriums, eins der kleinen Lusthäuser des Gartensbei Tag und Nacht allein zu bewohnen. Damals inag Klopstockvielleicht in diesem Garten am Messias gearbeitet haben. Einstging er bei Nacht allein im Mondschein in dem Garten umher.

Es war sehr natürlich, daß hier der OberhofpredigerFriedrichs des Großen vor dem geschickten jungen geistlichen Dicksterdas Herz bedeutsam und weit öffnete. Als Ohrenzeuge erzählteSack *), daß der Prediger Jordan, welcher nach dem Verluste seinerFrau dem geistlichen Stande entsagt und sich ganz Friedrich ge-widmet hatte, auf dem Sterbebette**) einen Besuch von diesemerhalten habe. Jordan habe zu Friedrich gesagt, er wäre jetztüberzeugt, daß Jesus Herr und Richter der Welt sei. Der Könighätte geantwortet: es thäte ihm leid, daß er ihn schon radotirenhöre. Jordan aber habe gesagt: Schwindsüchtige pflegten ihreBesinnungskraft vor dem Tode nicht zu verlieren.

Berlin sei der eigentliche Ort für ihn, sagte Sack in einemder kleinen Gartenhäuser auf der glücklichen Insel bei Magdeburgzu Klopstock, der zwar zum Predigtamte ohne) Neigung war, aber

So berichtet C. Cramer (Sohn des Predigers!, Klopstock IIIS. 478. Nur in diese Zeit kann Sacks Erzählung fallen, da ihnKlopstock nachher nie wieder sehen wollte.

">Da dem Todten sein Moos begann", sagt Klopstock in derOde Friedrich I auf den Vorfall anspielend.