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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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väterlicher und mütterlicher Seite. Aber wenn ich ein Bauernsohuwäre wie Hagedorns Bauernsohn, und mehr Verdienst hätte als ichhabe, dann würde ich tentirt sehn, meine ganze anverwandschaft bisauf den Kuh-Hirten zu detailliren. ^ xroxos, vergessen Sie doch inmeinem Lebenslaus bey leibe nicht zu erwehnen, daß ich 1743 in Pots-dam mein größtes Glück erlebt habe, das mir hat begegnen können,nemlich Sie, meinen allerliebsten, kennen zu lernen. Ich wäre wahr-haftig ohne Sie der unglücklichste Mensch gewesen, den jemahls dieErde getragen hat. Ihre Freundschaft, die ich mit der ganzen Weltnicht vertauschen wolle, erleichtert mir alles. Bleiben Sie auch hübschmein Freund. Ich bin ewig

der ihrige Kleist.

Nachschrift zu dem Briefe vom 18. Febr. 1757.

Empfehlen Sie mich doch Hrn. Secret. Beyer und Hrn. Sucroaufs beste, wie auch den Herrn Domdechant von Spiegel und denHerrn Geheimen Rath von Berg. Ich Dunce mache hier ein Iiistsron-xrotsron, oder wie das ding heißt. Ich alter Soldat kan kaum mehrgut deutsch vielweniger griechisch.

Die Leichenrede auf Blumenthal ist wirklich von einem Fändrichunsers Regiments, einem v. Schulenburg gehalten, und gedruckt wor-den, und ist für einen Kriegsmann und einen jungen sehr flüchtigenKriegsmann, gut genug. Ich habe sie aber nicht mehr, sonst weiteich sie Ihnen schicken. Er bat mich, meine Grabschrist hinten mit andrucken zu lassen, ich erlaubte es gerne, und nun passirt sie für seineArbeit. Ich mißgönne ihm die Ehre nicht, ich werde sie aber ein-mahl, nicht wegen ihres Werths, sondern der Freundschaft für Blumen-thal vindiciren. Lndrosa den Aen Tag nach der Leichenrede machteSchulenburg ein Pasquil auf den seeligen Blumenthal den er eben inden Himmel erhoben hatte. Sie werden nun den Charakter diesesMenschen kennen, der sonst sehr viel Witz hat. Unter 20 dergleichenLeuten muß ich leben. Diese Canaille hat mich auch schon so ver-folgen helfen, daß ich aus Aergerniß wirklich bald gestorben wäre.

Zerreißen Sie doch weine Briefe, denn sie sind gar zu sehr hin-geschmirt, besonders diesen und den vorigen.

Kleist.