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altes und hartes. Er müßte einen 6ritieum haben wie Ramler, wenner was sehr gutes machen solte, aber vielleicht hörte er denn gar aus.Sie haben doch schon die Monatsschrift: Crito, gesehen, die in Zürichherauslomt. Hindern Sie doch um des Himmels willen daß Bodmerund Klopstock einst weiter in einander gerathen. Klopstock wird dieOde, die Bodmer auf feine tibullische Elegie gemacht hat, nicht ver-tragen können, wenn Sie und Schmidt es ihm nicht ausreden. Ichkan nicht lüngnen, daß ich mich über Bodmern ganz grausam geärgerthabe, denn ich liebe Klopstock, ohne daß ich ihn noch kenne, unendlich.Wie kan man ein solch Genie und ein solcher Charakter zugleich aberauch so zanksüchtig und rachgierig sein wie Bodmer! Er glaubt viel-leicht, daß er das was er thut aus lauter Tugend thut, allein eineso strenge Tugend ist nicht nach meinem Sinne und dünkt mir ein-fältig. Wir arme Menschen müssen ja woll der Idee, die bei unsvon einer Sache die stärkste wird folgen/ warum will man sich dennwegen einer Handlung die involontair war, hassen und lästern. Ueber-dehm sehe ich nicht daß Klopstock was vieles Versehen, er ist ja nichtder Messias selbst, und wer weiß ob nicht der Messias in Gesellschaftvon Mädchen lustig gewesen ist. Doch er hätte das äußerliche mehrbeobachten sollen! Gut, ist denn dieser Fehler so erschrecklich, daßman die Feder wider ihn ergreifen muß? giebt es denn keine andereTugend als die Keuschheit, die Klopstock nicht einmal verletzt! wiewenig sind die Herren Schweizer Philosophen, sie haben fast alle nureine Frauenzimmer-Tugend, Keuschheit, die andern kennen sie nichtoder rechnen sie vor nichts. Meinethalben mochte Klopstock noch zehnMessiaden schreiben und dabei zehn Mädchen liebhaben, er würde mirdoch groß tugendhaft und liebenswürdig sein. Doch mündlich hievenein mehreres. Ich küsse Sie tausendmal und bin zärtlichst
Ihr getreuster
Potsdam, den 20. Oct. 1751. Kleist.
Ich muß Ihnen doch beweisen, daß ich zuweilen schreibe, wie ichoben erwähnt habe, und noch dazu daß ich Verse schreibe, obgleichleider sehr wenig. Ein Officier, der ein Erzpoltron, dabei aber diefalscheste Canaille ist, den jemals die Sonne beschienen hat, beleidigtemich verschiedene Mal sehr empfindlich. Ich wußte mit dem Poltrongichts anzufangen und ärgerte mich doch grausahm. In dem Verdruß