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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
Entstehung
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Mit einiger Wahrscheinlichkeit läßt sich aus der ohnehin schon alszuverlässig von uns erkannten Strophe 8 der Ode außerdem schließen,daß Friedrich vor seinem Tode wenigstens dem Namen nach noch auf-merksam wurde auf Johann Heinrich Voß, aus welchen ihn hinzu-weisen nach der Stelle überdie Mädcheninsel" in der Schrift überdie deutsche Literatur sehr nahe gelegen haben würde. Dasselbe istnach Strophe 7 in Bezug auf Uz, nach Strophe 10 in Bezug aufHerder, nach Strophe 12 in Bezug aus Jacobi (dem Friedrich ausGleims Antrag nach Körte S. 1531SS schon 1768 ein Canonicatmit Erlaß der halben Annatengelder gegeben), nach Strophe 13 inBezug aus Heinse zu vermuthen. Um die Namen in diesem Zusammen-hange willkürlich aufzuzählen, besaß Gleim zu viel geschichtlichen Sinn.Auch ist von den zwischendurch genannten Namen der Gelehrtenkeiner willkürlich ausgewählt, wie Jedermann sieht.

Es entsteht nun aber die Frage: auf welche Weise wurde Friedrichmit diesen Dichtern bekannt, die er 1780 entweder gar nicht kannteoder damals noch ignoriren zu können glaubte, was offenbar wennGleim in Strophe 5 nicht geradezu lügt etwa um 1785 nicht mehrder Fall war. Nach Strophe 3 könnte man glauben, Herzberg habeihn mit denselben bekannt gemacht. Indessen ist diese Strophe wohlnur ganz allgemein, insbesondere von deutscher Sprache zu verstehen,keineswegs aber aus einzelne Dichternamen anzuwenden. Mit der inStrophe 5 enthaltenen näheren Einleitung zur Nennung dieser Namensteht es aber nicht im Widersprüche, wenn wir annehmen, daß die imGedichte genannten Dichter, so weit sie von Friedrich entweder nochnicht gekannt oder gar verkannt wurden, erst in der Audienz am22. Dec. 1785 von dem begeisterten Gleim selbst dem aufmerksamenKönige genannt und gerühmt sind. Auffallend ist es immer, daßLessing in dem Gedichte nicht erwähnt wird, obgleich er schon todtwar. Der König mochte in der That persönlich gegen ihn eingenommensein. Mit Ramler war Gleim damals längst zerfallen. Auch Götzwar todt und auf die Empfehlung lebender Dichter konnte es Gleim,wie er die Sache ansah, allein ankommen.

Ode II ist überschriebenAn Johann Christoph Frisch".Sie möge hier stehen, weil sie Friedrich so zu malen scheint, wie erGleim erschienen war: