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das andere Mal im Druck gelesen werden. Für diese Entfer-nung, welche dem Kammerredner aus alltäglicher Erfahrung eineganz geläufige Thatsache ist und die bei improvisirenden Talentendoppelt in den Vordergrund tritt, muß der Stenograph ein ge-übtes Augenmaß haben. Eine gewisse Feile in der Wahl derWorte und dem Bau der Sätze ist vor dem Druck in den meistenFällen ganz unerläßlich. Nimmt sie der Redner nicht selber vor,so muß sie durch den Stenographen geschehen, und sein Gefühlmuß ihm sagen, in welcher Weise sie zu handhaben ist. Regelnlassen sich darüber nicht aufstellen, aber daran zu erinnern istnicht überflüssig.
In dem Bewußtsein der großen Verantwortung, die nachdieser Seite hin auf meinen Schultern lag, ist der Grund derBeklommenheit zu suchen, mit der ich in der Vorrede zur Revo-lutionsgeschichte um ein schonendes Urtheil bat. Ich wiederholediese Bitte hier wieder, aber mit etwas getrosterem Muthe,denn die, die ich das erste Mal aussprach, ist, wie ich ausden vielen höchst anerkennenden Besprechungen unserer ange-sehensten Preßorgane zu meiner großen Freude ersehe, keine Fehl-bitte gewesen.
Im Anhange erscheint Häusser's letzter öffentlicher Ver-trag, den ich seiner Zeit mit seiner eigenen Unterstützung zumDruck ausgearbeitet und im Feuilleton der „Heidelberger Zeitung"veröffentlicht hatte. Er ist damals nicht weiter verbreitet wordenund seine Wiederholung an dieser Stelle wird darum nicht bloßin Heidelberger Kreisen willkommen geheißen werden.
Und so sende ich auch dies zweite nachgeborene ErzeugnißHäusser'schen Geistes hinaus mit der frohen Hoffnung, daß esdenselben Weg finden werde, den das erste nicht verfehlt hat, denWeg zum Herzen des deutschen Volkes, dem der Unvergeßlicheangehört hat mit jeder Faser seines Wesens.
Heidelberg, 3. Juli 1868.
W. Oncken.