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Achter Abschnitt. Z 33.
Landsknechten einen Corpsgeist einzuhauchen, den Söldnern seinePerson als Mittelpunkt des Ganzen wie ein höheres Princip dar-zustellen, das hat ihm Keiner gleich gethan. Im Uebrigen war ereine der Naturen, wie sie aus solchen Zeiten hervorgehen, einEmporkömmling, der aus sehr bescheidenen Verhältnissen zu einemMann geworden war, der über Fürstenthümer gebot, und dabeiinnerlich roh von Hause aus, andere Triebfedern als den Durstnach Macht und Machtgenuß nie kennen gelernt hat. Auch Leute,die auf konservativer Seite stehen, pflegen in solchen Zeiten dierevolutionären Züge des Zeitalters anzunehmen.
Er hatte denn auch für das überlieferte Herkommen unddas geschichtliche Recht nicht mehr Achtung, als ein glücklicherSoldat haben kann: so viel Größen hatte er fallen sehen, somancher mächtige Schritt über die Häupter Anderer war ihmgeglückt, daß ihm der Gedanke nicht ferne lag, seiner ehernenFaust werde wohl auch erreichbar sein, was Anderen der blindeZufall der Geburt in den Schooß geworfen. Darum war ervoll gründlicher Verachtung des alten deutschen Wesens und un-säglicher Geringschätzung für das, was kleine Menschen bewegt,ein Mann wie die Marschälle Napoleons, und von der Meinungerfüllt, daß es nicht allzu verwegen sei, nach Größerem zu trachten,als er besaß und nach der Sterblichen Vorurtheile besitzen durfte.
Er war sehr geneigt, den Phantasien eines ausschweifendenEhrgeizes nachzuhängen und sich in allerlei gefährlichere Pläne ein-zulassen, als ihm seine Mittel erlaubten. Er war ein Mann,der Hazard spielte, gern Alles auf eine Karte setzte und mit einen:gewissen abergläubischen Behagen gern dunkle Wege ging. Erliebte hinterhältige Doppelzüngigkeit und nannte das hohe Weis-heit und was Andere nur Arglist nannten, schien ihm feine diplo-matische Kunst. Rücksichten religiöser, nationaler oder gar persön-licher Pietät banden ihn nicht auf dem Wege seines Ehrgeizes.Er diente dem Hause Habsburg, weil ihm hier einmal sein Ge-stirn aufgegangen war, aber es kostete ihn keinerlei Selbstver-leugnung, sich auf Pläne einzulassen, die Nichts mit den Pflichteneines lohalen Kaiserlichen zu schaffen hatten, er focht für diekatholische Sache, aber ohne den Fanatismus seines Herrn undohne den Bekehrungseifer Tillh's, man pries ihn ob seiner Dul-dung, aber sie entsprang bloß aus Gleichgiltigkeit.