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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Neunter Abschnitt. Z 34.

Zertrümmerte Städte, wie das wichtige Gothenburg, werdenwieder aufgebaut, sechszehn andere werden neu gegründet, durchgute Verfassung und mancherlei Handelsvorrechte ihr Aufblühenbegünstigt, Handel und Schifffahrt belebt, die Ausfuhr der reichenErzeugnisse des Landes an Bauholz, Kupfer, Eisen, Pech, Theerin Schwung gebracht, die Einfuhr fremder Manufakturen beschränkt,der Vertrieb schwedischer Produkte durch Handelsverträge mit demgroßen Markt in Verbindung gesetzt, so daß seit 1614 Schwedenmit Holland im lebhaftesten Handelsverkehr stand, und 1624schwedische Kaufleute auf eigenen Schiffen Pech, Eisen, Bretter,Roggen bis nach Spanien handelten. Geschickte Ausländer wur-den in's Land gezogen, einer von diesen fand das Mittel, denschwedischen Bergbau zu hoher Blüthe zu fördern und außerdemsiedelte der König eine großartige Fabrikation an Waffen undjederlei Kriegsbedarf im Lande an. Dabei stellte sich dann heraus,daß ein Volk, dem man bis dahin höchstens zum Wasfenhandwerk,zum Ackerbau und zur Fischerei Talent zugetraut, unter einerverständigen Anleitung auch ausgezeichnete industrielle Fähigkeitenjeder Art entwickelte.

Den düstern Hintergrund zu diesem regen, schöpferischenLeben bilden drei große blutige Kriege, die Gustav Adolf vonseinem Vater geerbt und in denen er sammt seinem Staat undHeer die Feuerprobe bestanden hat.

Die Kriege Gustav Adolfs, den deutschen mit eingeschlossen,drehen sich im Wesentlichen um die Erwerbung der Herrschaftüber die Ostsee, die Gustav Adolf zuerst als einen leitendenGedanken der schwedischen Politik aufgestellt und mit außerordent-lichem Glück verfolgt hat.

Als er damit anfing, war noch der ganze Süden Schwedensin den Händen der Dänen sammt den Schlüsseln der Ost- undNordsee, Calmar und Elfsborg, Schweden noch vom Meere aus-geschlossen. Der Angriff der Dänen in solcher Lage war jedesMal eine Bedrohung der Existenz des ganzen Landes und so er-klärt sich der überaus hartnäckige Krieg, in den sich der jugendlicheKönig sofort nach seinem Regierungsantritt werfen mußte, derunsäglich viel Verheerungen in dem armen Schweden angerichtethat, und in dem am Ende kein Theil Sieger geblieben ist. Indem Frieden von Knäröd (Jan. 1613) gaben Beide heraus, was