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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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547
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Charakteristik Gustav Adolfs und seines Heeres. 547

wahrhaft Große seiner Sache, so war er es und ich glaube, nurer. Einer Welt voll kleiner Künste, erbärmlicher Ränke und eng-herziger Menschen zeigte er zum ersten Male wieder das Bildeines wirklichen Helden von großen Zügen und hervorragendenEigenschaften.

Darum weckte er auch Begeisterung, wo man sie seit Jahr-zehnten nicht mehr gekannt, darum wußte er Andere wieder fürIdeen zu entzünden, die in dem Jammer der Zeit untergegangenwaren. Er trieb kein frevles Spiel mit heiligen Dingen. Weiles ihm Ernst war mit dem Gebet und der Frömmigkeit, darumbändigte der Gottesdienst, das geistliche Lied, der biblischePsalm, der in seinem Lager heimisch war, auch die furchtbar roheKraft seines Heeres, nur ihm ist das gelungen, keinem seinerNachfolger.

Er denkt aber auch groß genug, um in einer fürchterlich ver-wilderten Zeit sich auf den Ursprung der Lage zurückzuversetzen,in der der Friedensstand der Bekenntnisse mehr als ein halbesJahrhundert geruht hatte, er allein hat den Grundsatz aufgestellt,daß es nicht gelte, sich gegenseitig zu vernichten, sondern dasRecht wieder herzustellen, wie es vor dem Kriege war, er alleinhat den Protestanten ihr Recht zurückgegeben, ohne den Katholikenzu nahe zu treten. Das wollte Etwas heißen in einem Kampf,der sich auf beiden Seiten bereits so tödtlich verbittert hatte. InNürnberg konnte er mit Recht den deutschen Fürsten und Edel-leuten zurufen:Schämt euch, daß ich, ein Fremder, euch lehrenmuß, was eure natürliche Pflicht ist".

Das giebt den: folgenden Krieg seine Bedeutung. Er ist inder ganzen Zeit die einzige Erscheinung, an der man emporblicken,für die man sich begeistern konnte. Die katholische Partei hattekeine Persönlichkeit von dieser Größe ihm gegenüber hervorgebracht.Das hat denn auch den: Protestantismus in den Tagen seinertiefsten Gebrochenheit einen ganz ungewohnten Aufschwung ver-liehen und, welchen Antheil daran dieser eine Mann hatte, daszeigte der Niedergang, der nur allzurasch nach seinem Todewieder eingetreten ist.

Auch in anderer Richtung ist diese Episode von Bedeutung.Nicht bloß, daß die Wucht einer großen gewaltigen Persönlichkeithervortritt, ein König und ein Feldherr, dem kein Anderer, am

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