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Neunter Abschnitt. 8 35.
Wenigsten Ferdinand II. zu vergleichen war, Gustav Adolf hatauch das einzige Heer in diesem Krieg befehligt, das nicht entwe-der früh der Zucht und Bändigung entwachsen ist, oder überhauptden konfessionellen Charakter abgestreift hat. Wer wollte die Heereneben und nach ihm katholische oder protestantische Heere nennen?In den Heeren des Kaisers standen massenhaft protestantischeSöldner, insbesondere in denen Waldstein's, und in den Heerender Gegner ganz ebenso katholische Landsknechte. Das ist dasGrauenhafte an diesem Kriege, daß, namentlich seit den vierzigerJahren, bei denen, die ihn führen, sein Entstehungsgrund fast ganzund gar vergessen, daß Alles in leidenschaftlichem Wüthen undToben untergegangen, die Religion nur eine lästerliche Anweisungauf gräuliche Verwüstung und Plünderung geworden ist.
Das war bei Gustav Adolfs Heer ganz anders. Es bliebnoch nach seinem Tode ein tapferes, vortrefflich geführtes Heer,aber ihm den Geist, das innere Leben so zu erhalten, wie er dasvermochte, dazu war Keiner nach ihm im Stande.
Die Heere seiner Gegner bestanden aus zusammengelaufenemGesinde! ohne Vaterland und ohne Gewissen. Sein Heer warein national-schwedisches, Schwedens tapfere Bauern geführt vondem ritterlichen Adel des Landes, die ganze nationale Begeisterungdieses Volkes und seiner Aristokratie lebte in diesen Schaaren, unddas war ein ungeheuer wichtiger Faktor gegenüber den Söldner-massen, die im Kriege Nichts suchten als Beute, Völlerei undUnzucht.
Ebenso war es religiös. Dies Heer war lutherisch wie seinKönig und kündigte sich in jedem Zuge als ein solches an, hierwaren noch die vergessenen Hebel des 16. Jahrhunderts wirksam,hier wurde noch das „Ein' feste Burg ist unser Gott" gesungen,verstanden und nachgefühlt. Wie fürchterlich stechen dagegen diegottlosen Banden ab, die sonst unser armes Vaterland zerfleisch-ten im Namen des allein wahren Glaubens.
Das gab diesem Kriege eine höhere Weihe. Er verstand es,die wilde unbändige Masse zu zügeln durch höhere Motive, natio-nale und religiöse Empfindungen waren bei diesem Heere Etwas.Mit seinem Tode wird das anders. Wenn da eine Schlacht ver-loren geht, dann nehmen die Schweden Dienste beim Kaiser und