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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Vertrag von Bärwalde. Leipziger Convent.

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So hatte Dieser seinen Zweck vollkommen erreicht. Frankreichzahlte ihm Subsidien im Namen der gemeinsamen Interessen,aber die politische und militärische Leitung hatte der König vonSchweden allein. Der Vertrag von Bärwalde (Jan. 1631)war darum ein großer diplomatischer Sieg Gustav Adolfs, er schufihm die Mittel zur Fortführung des Krieges und erhielt ihmseine volle Unabhängigkeit.

Inzwischen dauerte der Festungskrieg fort. Bis zum Früh-jahr gelangen dem König noch zwei wichtige Eroberungen, dievon Kolberg im März, die von Frankfurt a. O. im April.

Der Mai brachte zwei Entscheidungen anderer Art.

Im Kreise der protestantischen Reichsstände, die noch nichtPartei genommen hatten, regte sich das Bewußtsein, daß derAugenblick selbstständigen Auftretens gekommen sei. Die Kur-fürsten von Sachsen und Brandenburg, beide durch das Restitu-tionsedikt schwer bedroht und beide dem Schweden abgeneigt,mußten sich, als die angesehensten Vertreter des deutschen Pro-testantismus, jetzt für eine bestimmte Politik entscheiden. In ähn-licher Lage waren die protestantischen Reichsstädte Süddeutschlands,die von der katholischen Restauration Alles zu fürchten, vonSchweden wenig zu hoffen hatten. Für beide Gruppen gab esein gemeinsames Programm, das die Natur der Lage ihnenvorschrieb: bewaffnete Neutralität zum Schutze des Pro-testantismus gegen den Kaiser, der deutschen Nation gegen dieFremden. Die kaiserlichen Waffen waren, seit Waldstein's Ent-fernung, überall im Nachtheil, die Liga oder vielmehr der Kur-fürst von Baiern verharrte in einer Politik des Zögerns undHinhaltens, die geringen Eifer für den Kaiser verrieth, der Königvon Schweden war, wenn er vor Kursachsen und Kurbranden-burg Halt machen mußte, wie ein Vogel auf dein Zweig: bildete sichjetzt zwischen beiden Gegnern eine compakte Masse, die dem Kaiser sagte,wir halten am Religionsfrieden fest und dem Schweden, mit demFremden haben wir Nichts gemein, so war Aussicht auf einen Frie-den, der den religiösen wie den nationalen Forderungen DeutschlandsGenüge that. Bewaffnete Vermittlung ist allerdings oft die un-dankbarste Politik, aber unter Umständen auch das, was alleinden Ausschlag giebt. Die Mittel derer, auf die es darauf ankam,hätten wohl dazu ausgereicht, aber man durfte dann auch nicht