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Neunter Abschnitt, ß 35.
Vertrag von Bärwalde (Jan. 1631), Leipziger Convent,Magdeburgs Fall (Mai 1631), Sieg bei Breitenfelde(7. Septbr. 163 l).
Mit Beginn des neuen Jahres stellte sich ein Verbündeterein, der nicht ohne Werth war, Cardinal Richelieu. Dieserhatte inzwischen in Frankreich freie Hand gewonnen und konntedarauf denken, die auswärtige Politik Heinrich's IV., Heinrich's II.und Franz I. wieder aufzunehmen. Roch hatte Frankreich wederFinanzen noch Armee, um selbstständig einzugreifen. Wollte esdeshalb an den europäischen Dingen Theil nehmen, so mußte esmit einem fremden Kriegsherrn anknüpfen und Gustav Adolfschien dazu der rechte Mann.
Er brauchte Geld, denn seine äußeren Mittel waren nochimmer sehr knapp und schien als Fremder auch geeignet die Er-werbungspläne zu unterstützet:, denen man auf französischer Seiteim Namen der „deutschen Freiheit" Raum gab. Er ließ sichvielleicht als Mauerbrecher der französischen Politik gebrauchen.Was später Bernhard von Weimar werden sollte und die Schwe-den zuletzt wirklich geworden sind, das hatte Richelieu schon GustavAdolf zugedacht, von dem ein Scheitern jetzt nicht mehr so raschzu besorgen schien.
Richelieu fand aber an Gustav Adolf seinen Meister. Dasvornehme Frankreich kannte bisher keinen „König" von Schweden,hatte doch der Beherrscher dieses Reichs, seine Krone nicht vonGottes Gnaden, sondern bloß durch die Wahl der Stände unddes Volks. Gustav Adolf erklärte sofort, daß er nur als „König"unterhandeln werde und Richelieu mußte nachgeben.
Bedeutender war, daß der Letztere auch in der Sache sehrwichtige Zugeständnisse machen mußte. Vergebens war sein Be-streben, Einfluß auf die Leitung der großen Geschäfte zu erlangen, er-setzte Nichts durch, als daß Gustav Adolf versprach, die katholischeKirche nirgends als solche anzugreifen und sonst Alles auf denfrüheren Friedensstand zurückzuführen. Selbst die Abtretung einesStückes von Deutschland an der französischen Grenze, die Richelieugar gern zum Schutze der deutschen Freiheit erlangt hätte, wurdeabgeschlagen. „Nicht ein Dorf sollen die Franzosen haben"sagte Gustav Adolf.