Wiedcrherstellungöpläne.
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nach Grotius fordern, obschon er selber genug habe; Pommernkönne er der See wegen nicht lassen, und wenn er Etwas zurück-gebe, so könne er gleichwohl dieselben Oberherrlichkeitsrechte fordern,die der Kaiser früher gehabt; die alte Reichsverfassung tauge nichtsmehr, sie sei ein altes Gemäuer, gut genug für Ratten und Mäuse,aber nicht bewohnbar für Menschen."
Ein Gutachten des schwedischen Senates schlug nun vor:Religionsfreiheit, ewige Abschaffung der Inquisition und Restitutionder Evangelischen; Ersatz der Kriegskosten Schwedens und Unter-pfand für ihre Bezahlung; Bund zwischen den Evangelischen unddem König von Schweden mit dem ihm gebührenden diracloriumbelii in allen ihren Kriegen mit dem Kaiser oder anderen Poten-taten; Abtretung von Pommern und Wismar an Schweden, wo-gegen Brandenburg Schlesien, Sachsen die Lausitz bekommen sollteund der Landgraf von Hessen, die von Weimar und Andere mehrauf Kosten Oesterreichs ausgestattet werden sollten.
Ein solches Programm war den protestantischen Reichsstädtenaus der Seele gesprochen, die fürstlichen Stände aber konnten sichdamit nicht befreunden und waren von um so größerem Miß-trauen, je weniger man Genaues über seine Pläne wußte und jeklarer es war, daß er seine letzten Zwecke absichtlich noch in einemgewissen Dunkel ließ. In den Kreisen, deren ganze Politik inkleinlichem Souveränetätsdünkel untergegangen war, witterte mandas Allerfurchtbarste, man sah im Geiste schon den deutschenKaiser fertig, und die deutsche Libertät statt von Spaniern, vonSchweden zu Grunde gerichtet. Sachsen insbesondere war ganzbeherrscht von diesem grollenden Mißtrauen und auch unter denen,die völlig von Gustav Adolf's Gnade abhingen, verbreitete sich großeMißstimmung, seit sich herausstellte, daß derselbe vor Beendigungdes Krieges von Wiedereinsetzung der vertriebenen Fürsten in diejetzt zum Theil eroberten Länder Nichts wissen wollte.
Kurz das Verhältniß zu den Reichsfürsten mit und ohneLand wird kühler und trüber von Woche zu Woche, desto innigergestaltet sich das zu dem Volk, zu dem Bürgerthum der Reichs-städte; den Fürsten wirft er das undeutsche Gebühren ihrer Heereund ihrer Politik vor, das Volk weiß er durch die liebenswürdig-sten Worte zu gewinnen: er war wie sein Großvater ein ausge-zeichneter Redner, der es wunderbar verstand, zumal den trenher-