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Neunter Abschnitt. Z 35.
zig populären Ton zu treffen, der auf die Massen wirkt und jedeseiner Reden vor solchen Hörern war ein Triumph.
Sturz der ligistischen Macht. Waldsteins Rückkehr*).
Schlacht von Lützen (16. Nov. 1632).
So war der Winter 1631—32 vorübergegangen. MitteFebruar brach der König nach dem noch ganz unberührten TheileSüddeutschlands auf, um die Liga im Sitze ihrer Macht, inBaiern selber, anzugreifen. Am Lech stellte sich ihm Tillh nocheinmal entgegen, in einem letzten heißen Treffen verblutete sichder Rest der ligistischen Macht, Dank den furchtbaren Wirkungender schwedischen Geschütze ward der Lech überschritten (April),Tillh starb wenige Tage nachher an seinen Wunden, und balddarauf zog Gustav Adolf in das unbeschützte München ein. GanzBaiern bis aus einen einzigen festen Platz fiel in die Hände derSchweden, die Eroberung Deutschlands bis auf die österreichischenErblande war vollbracht.
Man hatte das kommen sehen in Wien und seit den Win-termonaten 1631 die äußersten Anstrengungen gemacht, um, wenndie ligistische Macht zertrümmert wäre, die Vertheidigung desLandes gegen die Schweden zu ermöglichen. Aber die Kassenwaren leer und die Männer fehlten, um die zerrüttete Armee neuzu organisiren.
Wie grenzenlos die Noth in Wien war, zeigte die Beflissen-heit, mit welcher man sich jetzt Waldstein wieder näherte. Derhatte inzwischen auf seinen Gütern in Böhmen gelebt wie einFürst, der durch Entfaltung eines beispiellosen Prunkes selbst denKaiser in Schatten stellen wollte. Kein Monarch der damaligenZeit hat eine Hofhaltung gehabt wie er. Er hatte seine Ent-lassung mit einer erkünstelten Kaltblütigkeit aufgenommen; wer ihnkannte, mußte sich sagen, daß der Gedanke, von der ersten Stelleentfernt zu sein, empfindlicher an ihm nagte, als an irgend einemSterblichen.
Sein ganzes Leben war in Krieg und Heerführung, seineganze Natur in leidenschaftlichem, maßlosem Ehrgeiz aufgegangen,
*) jH urter, Wallensteins vier letzte Lebensjahre. Wien 1862.)