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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Waldsteins Rückkehr.

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zu milde und läßt es geschehen, daß Jeder am Hose Be-gnadigung erlangen mag. Dadurch werden aber die Mittel ab-geschnitten, die nöthig sind, um hohe und niedere Offizierezu belohnen und die Soldaten bei gutem Willen zu erhalten."

Dieser Vertrag war Waldsteins erstes Verbrechen gegen denKaiser und zugleich ein ungeheurer Fehler, denn er war un-ausführbar, ein Widersinn in sich. Entweder mußte Waldsteinthatsächlich Kaiser werden und Ferdinand abdanken, oder dasHaus Habsburg hielt die Gewalt fest und Waldstein ging unter,in beiden Fällen führte der Vertrag zu einer Katastrophe. WennWaldstein mit den Einräumungen dieses Vertrags alle Gewaltan sich riß, so war der Kaiser entthront, ließ sich aber derWiener Hof das nicht bieten, so kam es wieder zu einem Um-schlag. Da man ihn durch eine Absetzung nicht los werden konnte,so blieb hier wahrscheinlich Nichts übrig, als ihn zu ermorden.Darum liegt alles Folgende, erst das Spielen mit dem Verrathund nachher der wirkliche Verrath und seine Ermordung, schonin diesem Vertrag wie im Keime eingeschlossen.

Aber seine alte Meisterschaft aus heimathlosen Landsknechtenjeder Nationalität, Wildfängen, Müßiggängern, Taugenichtsen einneues Heer zu bilden und dies Heer wie sein Werkzeug zuhandhaben, bewährte er auch hier wieder.

Unthätig hatte er dem Unglück seines alten Feindes Maxvon Baiern zugesehen und mit rachsüchtiger Schadenfreude dessenBestürmungen um Hilfe in den Wind geschlagen. Seine Krieg-führung sollte zunächst eine defensive sein, die er besser als derFremde aushalten konnte, und die zugleich nöthig war, seinHeer an den Krieg zu gewöhnen.

Waldsteins erste Operationen waren glücklich.

In den ersten Tagen des Mai ward Prag überrumpeltund das kursächsische Kriegsvolk zum schleunigen Rückzug ge-nöthigt. Ende Juni schloß sich der bedrängte Kurfürst vonBaiern mit dem Reste seiner Mannschaften ihm an und dievereinigten Heere zogen nun nach Franken. Dort hatte GustavAdolf bei Nürnberg ein verschanztes Lager errichtet, Waldsteinlegte sich ihm in derselben Weise gegenüber. Einen Sieg er-focht er nicht, aber auch Gustav Adolfs Stürme gegen seineSchanzen waren vergeblich.