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sondern nur mitgewirkt hatte, das Verhältniß zu erschüttern, istauthentisch festgestellt.
Dies Fräulein wurde seilte zweite Gattin, natürlich abernicht als ebenbürtige Kurfürstin anerkannt. Sie war eine glück-liche und ihn selber beglückende Gattin, wie er in jener Ehestands-abrechnung nach ihrem Tode in einer wirklich beweglichen Weiseausgesprochen hat. Sie wurde die Mutter einer Reihe von reich-begabten und anmuthigen Kindern, aber das Haus des Pfalz-grafen stand jetzt nur noch auf zwei Augen, dem hinfälligen kränk-lichen Sohn des Kurfürsten — die Tochter konnte natürlich nichterben — und es drohten dem Lande Verwicklungen, deren ganzeFurchtbarkeit man erst kennen lernte, als sie eingetreten waren.
Es beweist inmitten so trauriger Dinge für eine kerngesundeNatur, daß sich Elisabeth Charlotte in dem ganz eigenthümlichen,zu Mutter und Stiefmutter seltsam gespannten Verhältniß so zu-recht fand, wie sie es gethan. Ihre Mutter, die bald daraufHeidelberg verließ und nach Kassel zurückkehrte, blieb ihr Mutterund die nächste weibliche Vertraute bis an ihren Tod und esscheint nicht, das ihr sonst launenvolles Temperament gegen sieso stark hervorgetreten wäre, als gegen Andere.
Aber die Stiefmutter wurde ihr doch zuletzt eine zweiteMutter; „was unser Herr Vatter selig lieb gehabt hat, das istmir auch lieb". Die Kinder, mit denen sie die Liebe des Vaterstheilen mußte und die dem Hanse der Simmern'schen Kurfürstenanfingen vielleicht den Thron zu versperren, waren ihr Geschwister,und ein großer Theil ihrer späteren Correspondenz, ja die herz-lichsten Ergüsse ihrer Empfindungen sind an eine dieser Halb-schwestern, die Raugräfin Louise, gerichtet. Wir hören von Elisa-beth Charlotte, daß ihre Jugendtage überwiegend glücklich gewesensind, so lange sie zu Hause war, und es ist für ihr Tempera-ment charakteristisch, daß sie gewisse häusliche Dinge mir im Noth-falle zur Sprache bringt, während das mannhafte Bild des Vaters,die Anmuth der Stiefmutter und Stiefgeschwister, der Umgangihrer Jugendfreundinnen und die reizende Natur ihres Heimath-landes bis in ihre spätesten Tage im Vordergrund ihrer Erinne-rung stehen und die Poesie ihres Lebens ausmachen.
Es war klug von dem Vater, daß er im Moment, wo derConflikt mit der Mutter ausbrach, die Tochter nach Hannover