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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Anhang.

ihr gleißnerisch sagte: Wir tragen ja die Waffen Eure Rechte zuvertheidigen, erwiderte sie mit Entrüstung: Mein Recht brauchtihr nicht zu vertheidigen, mein Land sollt ihr schonen. Aber siebat vergeblich; Heidelberg, Mannheim wurden beispiellos verwüstet.

Hier brach selbst jene heitere Geduld, die der Grundzug ihresLebens geworden war, zusammen, hier verließ sie jenes leichtePfälzer Blut, und es ist ihr Jahre lang nachgegangen, wie sie selbsterzählt: Ich kann Nachts nicht schlafen, und wenn ich aufwache,sehe ich Heidelberg und Mannheim in Flammen vor mir.

Das ganze Unglück ihres Lebens in der Fremde und dazudie Städte ihrer Heimath, das Land ihres Hauses, in Asche ge-legt, das war zu viel.

Bis zu jenen Tagen hatte sie Ludwig XIV. gern gehabt,aber seit er 167475 ihren Vater zu Tod geärgert und ihr nun.auch die Heimath verbrannt, war dies Gefühl erloschen in ihr.

Auf diesem Hintergrund muß man den Briefwechsel betrachten.

Er enthüllt das innere Leben einer Persönlichkeit, die zueiner langen glänzenden Knechtschaft verurtheilt, der die bittereZüchtigung beschieden war, sich in ihren jungen Jahren trennenzu müssen von Allem, was ihr lieb war, die in eine prunkendeaber für sie öde und fremde Welt kam, der die liebsten Erinne-rungen muthwillig, grausam mit Füßen getreten, der die Heimathmit entsetzlicher Barbarei niedergebrannt wird dem gegenüberist ihr Briefwechsel ihr Trost, sie schreibt.

Sie hat Niemanden, mit dem sie reden kann, selbst wennsie mit ihren Kindern nur 10 Minuten vertraulich reden will,sind schon die Späher da, um zu überbringen, was sie sagt. Siehat nur sich selbst und das Papier, auch das ist nicht sicher, dennman öffnet ihre Briefe, man kann sie zum Glück nicht lesen, abersie hat häufig Spuren, daß auch in diese letzte selbstgeschaffeneZuflucht die Hände der Spürer und die Polizei des Königs sichhineindrängen.

Sie hat trotzdem ein Erkleckliches zusammengeschrieben; wennich nur erwähne, daß allein in Hannover die Correspondenz anihre Tante 22 Foliobände ausmacht, darunter einzelne von TausendBlättern, so läßt sich ermessen, was sich in einem Zeitraum von30 40 Jahren mit Geduld, mit Fleiß und Eifer zusammen-schreiben läßt, und das ist nur eine ihrer Correspondenzen. Wenn