Die Pfalzzräfin Elisabeth Charlotte. 855
leicht zu nehmen, ihr die trüben Stunden entfernt und ihr überihr Leid hinweghilft. Man sieht, sie hat empfunden, aber auchwieder verwunden.
Sie hatte einen Trost: sie schrieb.
Sie schloß sich Tage lang ein; sie schrieb heute an ihreSchwester, morgen an ihre Tante und wieder an ihre Tochter.An diesen Schreibtagen lebte sie ihr innerliches Leben, da brachtesie Alles zu Papier, was sie bewegte, und in der Form, wie esihr gerade in den Mund kam. Hätte sie geahnt, daß das dereinstgedruckt werden würde, sie hätte auch diesen Trost aufgegeben.Diese Herzensergießungen waren das, womit sie sich hinweghalfüber die Oede, in der sie lebte.
Aber die bittersten Erfahrungen sollte sie erst noch machen.
Als mit dem Tode ihres Bruders der Mannsstamm desSimmern'schen Hauses ausstarb, erhob Ludwig XIV. den uner-hörten, in seiner rechtlichen Begründung lächerlichen Anspruch aufeinen Theil des Pfälzer Landes, gestützt auf die Verwandtschaftmit dem Pfälzer Hause durch — Elisabeth Charlotte. Also waseinst hatte Schutz sein sollen, wurde Mittel zum Angriff, waseine Bürgschaft hatte werden sollen, das Land zu schützen, wurdeder grobgewählte Vorwand, über dies Land eine beispiellose Ver-wüstung zu verhängen.
Es kam jenes brüler le kalutmat, jenes in Aschelegen gan-zer Städte und Dörfer, jenes Verwüsten des wiedererstandenenWohlstandes eines Menschenalters, jenes barbarische Vernichteneiner ganzen Bevölkerung, wie es in der neueren Geschichte ohneBeispiel ist, und wie es der „allerchristlichste König", der mitseiner Kultur an der Spitze der Welt einherschritt, damals sichselbst als unsterbliches Brandmal aufgedrückt hat, sich und seinerArmee, denn es ist doch zu erwähnen, daß unter seinen Generalensich nicht Einer fand, der sagte: Zum Soldaten bin ich gut, abernicht zum Mordbrenner. Es war doch eine scheußliche Dienst-willigkeit seit der Bartholomäusnacht in dieser Nation groß ge-worden.
Es läßt sich nicht beschreiben, was Elisabeth Charlotteempfand, als ihr Name mißbraucht wurde zu einer so frevel-haften Zerstörung ihres geliebten Landes. Laut machte sie demKönig, ihrem Gemahl, dem Dauphin heftige Vorwürfe; als man