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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Anhang.

von Preußen, weil sie hört, daß dieselbe ihre Muttersprache nichtachte, oder sie vermerkt es ausdrücklich, daß eine ihrer deutschenDamenblutsübel orthographire."

Umgekehrt hört sie es nicht ungerne, wenn man ihre unver-änderte Kenntniß der Muttersprache lobt; ja wenn sie irgend einerAnwandlung von weiblicher Eitelkeit zugänglich war, so war esvielleicht die, daß sie sich ihrer Uebung in deutscher Sprache undSchrift gerne bewußt war. Sie vergißt es nicht zu erwähnen,daß der große Leibnitz ihr das Compliment gemacht, sie schreibenicht übel Deutsch, und sie sagt nicht ohne Selbstgefühl, es seiihr ein hoher Trost,daß ich mein Deutsch nicht vergessen habeund noch korrekt schreibe."

Sie hat das echte Naturell der Pfälzer mit den guten undschlimmen Seiten, jenes leichte lebensfreudige Blut, jene innereGesundheit und jenes Entferntsein von melancholischem Brüten,auch jenes aufbrausende, hastige und abspringende Wesen, jenes inZorn und Aufregung Gerathen und bald Bereuen, auch jeneLiebhaberei, den Mund vollzunehmen mit Redensarten, die mannicht immer auf der Goldwage abwägt, jener malerische Humorund jene groteske Derbheit der Pfälzer.

Fast täglich erfreut sie sich wenigstens einmal an ihren Pfäl-zer Erinnerungen.

Alle Deutschen, insonderheit ehrliche Pfälzer haben freienZutritt zu mir",alle guten Pfälzer von alter Kundschaft bitteich auch von meinetwegen zu grüßen", schreibt sie mitten unter denWehen des Orleans'schen Krieges.

Ein Glied einer Heidelberger Familie, die noch blüht, kamnach Paris; sie nahm es von Herzen übel, daß sie der Lands-mann nicht besuchte.

Noch sind ihr alle Familiengeschichten lebendig; sie freut sichnoch 1717, daß die kleine Spina eine glückliche Heirath gethanhat.Ihr habt sie oft gesehen", schreibt sie auf gut Pfälzisch,der Churfürst unser Herr Vatter ließ sich als Mercher von ihrverzehlen, die sie gar wohl zu verzehlen wußte."

In ihrer Umgebung befand sich ein Pfälzer Original, dieJungfer Kolbin; mit ihr ist der deutschen Sprache ein wahrerSchatz verloren gegangen, ihr Reichthum an ursprünglichen Re-densarten und Sprüchwörtern muß unerschöpflich gewesen sein, ihr